Der in Berlin lebende Künstler Thilo Droste (*1977) macht es sich und anderen nicht leicht. Wo Dinge künstlerisch schon zu Ende gedacht scheinen, denkt er sie weiter und fordert vom Original Flexibilität und vom Betrachter die Anstrengung des Mitdenkens ein. Seinem Anspruch auf Wahrhaftigkeit muss sich selbst die Wahrheit beugen. Aufrichtig und starrsinnig hinterfragt er Allgemeinplätze mit subtilem Widerstand, nicht mit großer revolutionärer Geste.

Die Inhalte seines Werks erzählen von der Suche nach Auseinandersetzung und einem Gegenüber. Sinnbildlich dafür steht z.B. der Spiegel als wiederkehrendes Material. Wenn der Betrachter dann in einen Kosmetikspiegel blickt und gleichzeitig das eigene vergrößerte Gesicht und in kleiner hand - schriftlicher Gravur das Wort »EGO« erblickt, kann er schwerlich dem Rendezvous mit der uralten und immer aktuellen Frage nach dem Ich, dem Wert des Selbst und der eigenen Wahrheit ausweichen.

Ausweichen dürfen auch die Vorbilder der Kunstgeschichte nicht, mit denen der Künstler einen lebhaften Dialog (über die Zeiten und das Sterben hinweg) im eigenen Werk führt. Stets halten sich Bewunderung und Hinterfragung die Waage. Für die künstlerische Arbeit kann das Vorbild zum Nachteil gereichen durch blinde Bewunderung und bloße Nachahmung.

Für Thilo Droste ist das Vorbild als Material begriffen Stoff für neue Nach- Teile.

Seine Arbeiten folgen stets einer intensiven Auseinandersetzung mit vorgefundenen Situationen, thematischen Fragestellungen und divergenten Ausstellungskontexten.

Dabei setzt er der Komplexität in der Bearbeitung von Inhalten eine humorvolle Leichtigkeit in der Realisation entgegen – Witz, abgründige Einfachheit und handwerkliche Expertise kennzeichnen das Erscheinungsbild seiner Arbeiten.

(Anne Brannys, zur Ausstellung „Vorbilder und Nachteile“)

 

Thilo Droste CV
AO_Thilo_Droste_CV.pdf
Adobe Acrobat Dokument 51.0 KB