Simultanübersetzung


Josina von der Linden und Barbara Müller

 

Eröffnung am Freitag, den 31. März 2017 um 19 Uhr
01. April 2017 – 22. April 2017

 

Klara Li, Gesang und experimentelle Wassergläsermusik
am Samstag, den 8. April 2017 um 19:30 Uhr

 

 

Simultanübersetzung

Die Faszination des Simultanübersetzens liegt in der bewundernswerten Fähigkeit von Dolmetschern, gleichzeitig, zu hören und zu sprechen und mit einer nur geringfügigen Zeitverschiebung, den Inhalt des Gesagten von einer in eine andere Sprache zu übertragen.

Mit der Ausstellung „Simultanübersetzung“ sind Josina von der Linden und Barbara Müller das Wagnis des künstlerischen Dialogs eingegangen und begegnen sich dabei in ihren jeweiligen Ausdrucksweisen. Das Prinzip der künstlerischen Übertragung wird in der Ausstellung mehrfach variiert. Gleichzeitig werden Fragen nach unserer Individualität aufgeworfen. Wo finden wir uns wieder und wo sind wir Teil einer ästhetischen „Formengemeinschaft“? Welche Kompromisse gehen wir ein?

In den Arbeiten Barbara Müllers findet oftmals das Doppeln, Zerlegen und Rekonstruieren Anwendung. So auch beispielsweise in ihren aktuellen Wandarbeiten „skinn“ die, mit der Farbgebung des Inkarnats, bei Josina von der Linden Assoziationen von Haut und Berührung hervorriefen und diese zu den narrativen Arbeiten „Die Schleife“ und „Kragenweite“ inspirierten.

„Ein Hemd aufzutrennen ist ein mühsames Unterfangen, das Gewebe schnell verletzbar. Man muß sehr vorsichtig sein und bekommt Respekt vor der Konstruktion. Einerseits gleicht es nun einem normierten Bausatz, streng mit Bügelfalte auf ein Format zusammenlegbar, gleichzeitig ist es auch auf vielfältige Weise verflochten mit dem Thema Berührung, Schutz und Verletzlichkeit. Ich kam auf den Gedanken, die sonst nach außen gekehrte Fläche ähnlich einer Haut zu kennzeichnen.  Das Stoffmuster sollte nur noch am Saum sichtbar sein, der Fläche, welche sonst den Körper berührt.“
Barbara Müller

„Die zerlegten Kleidungsstücke in Barbara Müllers Arbeiten „skinn“ erinnerten mich an Fundstücke aus dem Nachlaß meiner Eltern: Schrankfertige, noch mit den Banderolen der Wäscherei versehene, weiße, inzwischen vergilbte Hemden meines Vater mit steifen Kragen und eine kleine hautfarbene Schleife, mit der ich als Kind spielte, abgetrennt von einem BH meiner Mutter. Natürlich schwingt beim Betrachten solcher Gegenstände Nostalgie mit, aber über die persönlichen Berührung hinaus, interessieren mich weitere Informationsebenen dieser Dinge, wie z.B. der Zeitgeist der in Kleidungscodes steckt und das tradierte Rollenverständnis der Generation meiner Eltern.“
Josina von der Linden

In der gemeinsamen Videoarbeit „simple stuff “ #1, #2  (2017) inszenieren Josina von der Linden und Barbara Müller eine gewöhnliche Tätigkeit im Nebeneinander. Das Equipment, bestehend aus den Einzelteilen eines seriellen Industrieprodukts, einem Kleiderständer, läßt in seiner Ästhetik entfernt an die Kunstbewegung De Stijl oder auch an Kinderspielzeug erinnern. Das Video zeigt die Dauer eines Aufbaus und eines Abbaus in Echtzeit. Die, durch den Bauplan vorgeschriebenen Handlungsabläufe, werden dabei von den Künstlerinnen simultan ausgeführt. Interessanterweise zeigt sich in der Ausführung trotz der vermeintlich gleichen Vorgabe eine erstaunliche Individualität.

 

Ausstellungsarchiv: März 2017, Simultanübersetzung
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Simultanuebersetzung_04.2017.pdf
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„Critical Mass“

 

Alke Brinkmann und Sencer Vardarman

 

Eröffnung am Freitag, den 03. März 2017 um 19 Uhr


04. März 2017 – 25. März 2017


Künstlergespräch am Samstag den 25. März um 19 Uhr,
im Anschluss Finissage


Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag, 14 – 19 Uhr
und nach Vereinbarung (Tel. +49.30.76 23 63 76)

 

 

Der Höhenflug des Populismus mit Trump, Erdogan, Le Pen und (oder dank?) Putin bewegt uns alle: Weil wir uns vom Faszinosum des Simplifizierens, von der Märchenwelt dieser Kulturvereinfacher verführen lassen; oder weil wir uns jetzt doch endlich für den steinigen Weg der Verteidigung von Freiheit, Pluralität und Anstand mobilisieren lassen. Für die einen wie die anderen gilt, dass sich bislang einzementierte Maßstäbe verschieben und damit Perspektiven der Weltsicht. Was ist Realität in Zeiten von Fake News?
Was Gewissheit, was Verunsicherung?


Auch der Kunst nötigt sich die Politik als Thema auf. Und Alke Brinkmann, die sich schon seit Jahren mit dem Verhältnis von Macht und Mensch beschäftigt und dazu teils biographisch, teils aus der medialen Bilderwelt inspirierte Werke geschaffen hat, findet in Sencer Vardaman einen ebenso überraschenden wie offensichtlichen Seelenverwandten, den sie folgerichtig zu dieser gemeinsamen Ausstellung eingeladen hat.


Beide, Brinkmann und Vardarman, interessiert die Wirkung von Bildern aus dem politischen Raum, beide arbeiten mit dem Verhältnis von Motiv und Inhalt.
Beide – ein Zufall? – haben sich dabei irgendwann dem vielleicht ultimativen Ikon des menschlichen Selbstzerstörungsdrangs angenommen: Vardaman spielt in „Moonlight“ mit einer postmodernen Verkitschung des Atompilzes über dem Bikini-Atoll, Brinkmann lässt mit weißer Schicht für weißer Schicht die Verwüstung von Hiroshima verblassen und definiert sie damit neu. Von beiden müssen wir als Betrachter uns fragen lassen, wie wir es zulassen konnten, dass der schlicht unfassbare Schrecken der Wasserstoffbombe zum ästhetischen Signet verkommen konnte. Wollen wir es eigentlich gar nicht mehr so genau wissen? Wollen wir nicht mehr so
genau hingucken?


Alke Brinkmann und Sencer Vardarman fragen uns weiter. Wie ertragen wir die stille Ästhetik der „Falling Men“, wenn die Geschichte dazu eigentlich offensichtlich sein muss und erdrückend? Wie denken wir uns in die „Patterns of Mankind“ ein Miteinanderliegen und –lieben hinein, wo doch naheliegt, dass diese Muster menschliche Abgründe zeigen? Wohin, fragen wir schließlich fast ängstlich, ist die Energie der Massen in „Night Watch“ gerichtet? Und ahnen schon – das wird nicht gut.


Weder Vardarman noch Brinkmann geben uns Antworten, sondern überlassen uns der Verunsicherung. Das Politische ist zurück. Keiner kann entrinnen.


Tom Levine

Ausstellunggsarchiv: "Critical Mass" März 2017
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Portrait des Galeristen

mit Arbeiten von

Thomas Behling, Frank Diersch, Thorsten Futh, Katrin Hoffert, Nikola Irmer, Thierry Perriard, Oliver Möst, Christoph Roßner, Hans-Peter Stark, Andreas Trogisch und Edgar Zippel

 

Eröffnung am Freitag, den den 03. Februar 2017 um 19 Uhr

 

04. Februar 2017 – 25. Februar 2017

Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag, 14 – 19 Uhr
und nach Vereinbarung (tel. +49.30.76 23 63 76)

 

 

Ein Portrait bildet ab. Wenn nicht das Äußere einer Person, dann doch ihr Wesen. Es ist untrennbar mit der Vorstellung von Identität verknüpft. Seine Entstehung ist ein Akt der Kommunikation zwischen zwei Individuen.

Die Portraits in dieser Ausstellung nehmen auf unterschiedliche Art kritisch Stellung zu dieser Vorstellung. Sie verweigern die Aussage oder sie zeigen jemand, der offenbar kein Individuum ist oder dem Autor als solches nicht bekannt, thematisieren das Inszenierte der Kommunikation oder den Willen zur Selbstdarstellung im Porträt.

Die Rolle des Galeristen als Vermittler zwischen Künstler und Realität ist zweifelhaft. Als ein von Künstlern betriebenes Projekt entmythisiert Axel Obiger den Galeristen wie den Künstler gleichermaßen. Im Rahmen der Reihe von Ausstellungen, die das Konstrukt Axel Obiger und damit die Mechanismen des Kunstmarktes thematisieren, zeigt diese Ausstellung Portraits des Galeristen, Portraits einer Fiktion.

Axel Obiger - die fiktive Figur des Galeristen- ist die Projektionsfläche für das, was wir von einem Galeristen erwarten, fürchten und wünschen: Abgedrehtheit, Selbstliebe, Erfolg, Authentizität, Korruption, Biografie, eigene Kreativität, Geschäftssinn, Genius, Hybris, Humor, Zweifel, Ernsthaftigkeit und Kunstverstand, Eigenschaften, wie sie in den ausgestellten Portraits aufscheint.

Maja Rohwetter

 
"Gallerist"
by Emily A. Greco

Will you go and how will I let you? Honorable occupation, make a home of me for the moment.

Too little has been said of the solitude, the bond in swimming the unity of silence. We stand, we lean, we hang by fixtures unseen, dangling by a puncture at the intersection of two planes. One gesture, a wall, two, a nail, and the calculated force I have delivered to love you.

Command me, an unwavering commitment in allowing them to know you, permission to mingle with the passive, the scrutinizing. You, born of grace, touched by the politic of the now, in your power, civilize me.

Choreograph my movements modest, give form to my name and body to my absence, in exchange I give you to the world.
Who am I, and when? To my fate, I am servant to your fate, to live one million lives in the memory of another, to dance eternal

Portrait_des_Galeristen_2.2017 Ausstellungsarchiv
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Boden
mit Arbeiten von Roland Boden, Thilo Droste, Pauline Kraneis,
Josina von der Linden, Enrico Niemann, Hansjörg Schneider, Tim Stapel


Eröffnung am Freitag, den 13. Januar 2017 um 19 Uhr


14. Januar 2017 – 28. Januar 2017

Der „White Cube“ gilt allgemein als Synonym für den idealen Ausstellungsraum mit neutral weißen Wänden, um Kunst unter den bestmöglich Bedingungen zu präsentieren. Im Falle des Projektraums „Axel Obiger“ gibt es zwar weiße Wände und eine ausgewogene Beleuchtung aber keinen neutralen Boden. Der graue Fliesenboden bestimmt mit seinem quadratischen Rastersystem optisch den Ausstellungsraum.

 

Wiederkehrende meist kontroverse Diskussionen innerhalb der Axel Obiger - Künstlergruppe zum ungeliebten Fußboden forderten deshalb eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Boden“ geradezu heraus.

 

Die Komplexität des Themas zeigt sich in zahlreichen Redewendungen. Wir können auf sicherem oder schwankendem Boden stehen. Wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren, haben wir meist verloren, aber möglicherweise wollen wir auch manchmal bewusst den Boden der Tatsachen verlassen. Mit Bodenpreisen und Bodenspekulationen werden horrende Gewinne erzielt und die Welt territorial aufgeteilt. Die Bodenbearbeitung, der Ackerbau, bedingt die existentielle Grundlage der Nahrungs-produktion. Die Ausstellung zeigt einen prägnanten Ausschnitt der überaus vielfältigen künstlerischen Produktion zum Thema.


Josina von der Linden

 

Ausstellungsarchiv 1/2017 Boden
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