„Korrespondenzen“
Alke Brinkmann und Cristina Barroso

 

Eröffnung am Freitag, den 11. Mai 2018 von 19 – 22 Uhr
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

Artist Talk mit Dorothee Bauerle-Willert am Sonntag, den 02. Juni 2018 um 17 Uhr
im Anschluss Finissage und Party 18 – 21 Uhr

Opening on Friday, the 11th of May 2018 at 7 pm
An exhibition catalog will be available.

Artists talk with Dorothee Bauerle-Willert on Saturday, June 2nd at 5 pm
Closing reception and party 6-9 pm   

12. Mai 2018 – 02. Juni 2018

 

 

Korrespondenzen
Dem Knaben, der an Karten und Stichen Freude hat,
Scheint das Universum wie sein Verlangen grenzenlos.
Ach! Wie ist die Welt so groß beim Schein der Lampen!
In den Augen der Erinnerung ist die Welt so klein!


Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen


Korrespondenzen versöhnen nicht, sondern bringen Extreme zur Anschauung.


Die visuellen Korrespondenzen der Künstlerinnen Cristina Barroso und Alke Brinkmann eröffnen ein irritierendes, turbulentes Wechselspiel von ferner Nähe, naher Ferne, von verschiedenen Blickebenen, von Zeiten und Räumen, von Unterschieden und Gemeinsamkeiten, beide Künstlerinnen finden Bilder, die die Grenzen des Sichtbaren ausloten und neu verorten. Differenziert und wagemutig formen diese Arbeiten weiter, was die Menschheit seit Anbeginn versucht: irdische und kosmische Gesetzmäßigkeiten und die Beziehungen zwischen Mikro- und Makrokosmos zu entdecken. Cristina Barroso und Alke Brinkmann sind Forscherinnen in Zwischenreichen, zugleich spielen sie souverän mit Farbe, mit der zeichnerischen Linie, mit Materialien und Bildträgern – und beim Betrachten der vielschichtigen Arbeiten geraten wir in Bildgefilde „die untereinander irgendwie zusammenhängen, die zwischen heute und einigen tausend Jahren früher irgendwo zu Hause sind.“1 Die beiden Künstlerinnen unternehmen Reisen in die Raum-Zeit, in Vergangenheit und Zukunft, in die Geschichte und das Gedächtnis der Welten und spannen in ihrer künstlerischen Reflexion „die uns mit der Welt
verknüpfenden Fäden auf, um sie erscheinen zu lassen.“2
Bilder sind mobil und mobilisierend. Sie durchqueren und organisieren Orte3 und eben darin besteht ihre raumbildende Praktik. Zugleich durchwandern die Bilder und Bildvorstellungen auch die subjektiven Geschichten, sie kommen von weit her, sie überschreiten kulturelle Räume, überkreuzen die Grenzen von Natur und Kultur, von Anthropologie und Mythos. Bilder sind aber immer auch Recherche der künstlerischen Medien, die sie jeweils in neuem Gewand einsetzen, im Spiel und Widerspiel von Inhalt und Form. (...)


Auzug aus dem Katalogtext von Dorothée Bauerle-Willert


[1] Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften, Reinbeck bei Hamburg 1978, S. 113
[2] Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, Berlin 1966, S. 10
[3] Siehe dazu: Michel de Certeau, Kunst des Handelns, Berlin 1988, S. 215

 

Dateidownload, mit Bildern, Text und Raumplan der Ausstellung
Ausstellungsarchiv_5.2018_Korrespondenze
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Wir feiern die 100ste Ausstellung.
 
Axel Obiger
Alke Brinkmann, Thilo Droste, Juliane Duda, Harriet Groß, Katrin Hoffert, Gabriele Künne,
Josina von der Linden, Oliver Möst, Matthias Moravek, Enrico Niemann, Susanne Ring

und Maja Rohwetter
lädt Euch ein mit uns zu feiern.

Wir haben alle 300 KünstlerInnen der vergangenen 99 Ausstellungen eingeladen uns eine Arbeit im Format A4 zu mailen – und haben über 200 Einsendungen bekommen.

Eröffnung am Freitag, den 13. April 2018 von 19 – 22 Uhr

14. April 2018 – 05. Mai 2018
Finissage und Katalogpräsentation am Samstag, den 05. Mai 2018 von 19 – 24 Uhr

 

Matthäus Thoma, Jörn Gerstenberg, Dirk Krecker, Katja Sonnewend, Gereon Krebber, Harriet Groß, Susanne Ring, Oliver Möst, Bettina Cohnen, Sylvia Henrich, Sabine Hornig, Veronika Kellndorfer, Andreas Koch, Sinta Werner, Maja Rohwetter, Denis Darzacq, Myrtia Wefelmeier, Stephanie Senge, Klaudia Stoll, Jaqueline Wachall, Christine Fenzl, James Sterling Pitt, Kirk Stoller, Mady-Alem Akec, Radu Gladven, Yoto Mo, Paul Shefter, Robert Wilschatt, Katja Bilo, Dorothee Berkenheger, Knut Eckstein, Alke Brinkmann, Katrin von Lehmann, Hansjörg Schneider, Ralf Bittner, Martin Eberle, Wolfram Hahn, Vadim Schaeffler, Gabriele Künne, Anita Kapraljevic, Josip Mijic, Cristina Rodrigo, Friederike Ruff, Yuri Englert, Joulia Strauss, Aleksandar Nesic, Andrej Glusgold, Ursula Böhmer, Katrin Hoffert, Andreas Greiner, Iris Musolf, Albrecht Noack, Frank Peters, Ina Sangenstedt, Enrico Niemann, Jana Slavik,  Andrea Wilks, Stephen Wilks, Betty Böhm, Brice Bourdet, Harald Hofmann, Nana Kreft, Abe Rechterschot, Katharina Moessinger, Oliver Schmidt, Tian Tian Wang, Tatjana Fell, Fernando Niño-Sanchez, Ulrich Schreiber, Juliane Zelwies, Matthias Moravek, Anthony Werner, Norbert Artner, Ulrich Vogl, Stefka Ammon, Astrid Busch, Esther Ernst, Anne Gathmann, Annette Gödde, Stine Gonsholt, Kerstin Gottschalk, Franziska Hünig, Susanne Huth, Andreas Lang, Dieter Lutsch, Anja Majer, Anke Mila Menck, Antonia Nordmann, Uta Päffgen, Katja Pudor, Anne Vorbeck, Claudia Weber, Robert Estermann, Michaela Tröscher, Andrea Übelacker, Marc Jung, Jens Nordmann, Heike Gallmeier, Ute Ringel, Martin G, Schmid, Sabine Tress, Tim Trantenroth, Ludwig Bräutigam, Bettina Khano, Christl Mudrak, Alexa Kreissl, Kata Unger, Matthias Beckmann, Esther Horn, Arnold Landen, Gabriele Worgitzki, Thekla Ehling, Norbert Wiesneth, Josina von der Linden, Masko Iso, Ivan Boškovic, Thomas Behling, Zuzanna Skiba, Franca Bartholomäi, Florian von Ploetz, Jan Schwerdfeger, Cosima Göpfert, Julia Schimtenings, Bruno Lipp, Sandrine Mahéo, Kirsten Jäschke, Christiane Bergelt, Anne Brannys, Norbert W. Hinterberger, Astrid Menze, Selket Chlupka, Heather Allen, Thilo Droste, Heike Hamann, Andrea Blumör, Vládmir Combre de Sena, , Heide Khatschaturian, Helmut Werres, Sabine Zimmermann, Jan Beumelburg, Gudrun Kenschner, Daniela Hoferer, Katia Kelm, Michaela Meise, Silvia von Pock, Jehoshua Rozenman, Maria Schoof, Eva Wisbauer, Cornelia Wissel, Gloria Zein, Christoph Bangert, Thomas Brüggemann, Hans-Martin Asch, Henning Kappenberg, Jakob Roepke, Isabel Kerkermeier, Simone Lanzenstiel, Catherine Lorent, Tom Früchtl, Roland Boden, Pauline Kraneis, Tim Stapel, Frank Diersch, Thorsten Futh, Nikola Irmer, Thierry Perriard, Hans-Peter Stark, Andreas Trogisch, Edgar Zippel, Christoph Roßner, Sencer Vardarman, Barbara Müller, Klara Li, Peter Dobroschke, Philipp Hennevogl, Peter Hock, Manuel Frolik, Holger de Buhr, Juliane Duda, Thomas Nitz, Jens Wohlrab, Roman Klonek, Kaisu Koivisto, Kristina Rutar, Benjamin Badock, Annedore Dietze, Chris Dreier, Tobias Heine, Michael Schäfer, Daniela von Waberer, Clemens Wilhelm, Albert Braun, Marcus Lerviks, Oskar Lindström, Mika Hannula, Marikke Heinz-Hoek, Erika Plamann, Cordula Prieser, Stefan Geyer und Wanda Stolle

Download mit Fotos, Text und Raumplan zur Ausstellung "100"
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"es zieht vorbei"

 

Matthias Moravek und Wanda Stolle

 

Eröffnung am Freitag, den 16. März 2018 von 19 – 22 Uhr
Künstlergespräch, im Anschluss Finissage, am Sonntag, den 08. April 2018 von 17 – 21 Uhr

 

17. März 2018 – 07. April 2018

„Alles, was wir über die Sterne und über die Weiten und Tiefen des Kosmos wissen und in Zukunft noch werden erfahren können, kommt zu uns über das Licht.“*
Ungefähr acht Minuten braucht das Licht der Sonne bis auf die Erde. Doch was, wenn es einmal ausbleibt? Für die Beobachtung des Himmels wurden in den letzten hundert Jahren immer bessere, lichtstärkere und spezialisiertere Instrumente geschaffen. Trotzdem übersteigt etwa die Größe der Sonne und die Menge der in ihr eingeschlossenen Materie und Energie ebenso wie die Gewalt der sich am Himmel abspielenden Phänomene, Veränderungen, Wirbel, Stürme und Orkane unsere Vorstellung-skraft. In der Ausstellung „Es zieht vorbei“ geht es jedoch weder um astronomische Beobachtungen im wissenschaftlichen Sinn, noch um eine exakte Kartografie- rung des Weltalls und noch viel weniger um eine korrekte Wiedergabe von Himmels- oder Wetterphänomenen. Vielmehr untersuchen Matthias Moravek und Wanda Stolle dieses Gebiet mit bildnerischen Mitteln. Gemeinsam ist beiden dabei ein Interesse an atmosphärischen Bildräumen einerseits und klar begrenzten Flächen andererseits, die letztendlich nie ganz zu enträtseln sind. Beide beziehen sich zudem auf die Form der Banderole, deren ursprüngliche Funktion als Kenn- zeichnung eines Territoriums ad absurdum geführt wird und so als Leerstelle zwischen den Momenten von Repräsentation und deren Negation fungiert. Darstellungsmodi und deren Wahrnehmung – hier schließen sich Moravek und Stolle zusammen.


Matthias Moravek untersucht in seiner Malerei die bildnerische Darstellbarkeit von Wolken, Gebirgs-zügen, Ebenen, Dschungeln und Territorien, Landschaften im weitesten Sinn also. Seine Arbeiten sind stark aus der Farbe gedacht und changieren dabei stets zwischen Figuration und Abstraktion. Einen Bezug zum Thema der Ausstellung bilden neben den Wolkenstudien der „Sky Studies“ auch die Arbeiten „Tambora I & II“. Diese beziehen sich auf einen gleichnamigen Vulkan, der 1815 in Indonesien ausbrach und dessen Aerosole den Himmel über Europa für drei Jahre lang verdunkelte und durch eine veränderte Lichtbrechung atmosphärische Farbphäno- mene erzeugte. Dies hatte nicht nur zahlreiche wirtschaftliche und politische Konsequenzen, sondern beeinflusste auch die Bildende Kunst und die Literatur der Zeit. Die vulkanische Farbwolke wird in der Ausstellung sinnbildlich zum Ursprung von Moraveks Malerei. Matthias Moravek ist seit 2017 Künstler bei Axel Obiger.


Wanda Stolle entwickelt ihre Arbeiten in dem Spannungsfeld von Skulptur und Zeichnung. Die großen Wandobjekte, in Form gezwungene Holzplatten, schälen sich als überdimensionale, gewundene Bögen von der Wand und vermitteln Momente des Zeigens und Verbergens und befragen so die Wahrnehmung von Bildlichkeit. Die Ordnung verleihenden Linien der Tusche-arbeiten, welche als strukturgebende Elemente die Zeichnungen durchziehen, erweisen sich bei näherer Betrachtung als in das Papier geschnittene Auslassungen. Sie sind Spuren eines bildhauerischen Eingriffs auf der Fläche. Dem konstruktivistischen Charakter der Zeichnungen geht ein Akt der Dekonstruktion im Entstehungsprozess voraus. Medium und Material werden zu gleichberechtigten Gestaltungsmitteln. Ausgangspunkt für die Entstehung der Arbeiten bildet die Sammlung von Abbildungen und Fotografien – etwa Bilder von bildhauerisch ausgeführten Faltenwürfen, von Gesteinsformationen und astronomischen Aufnahmen.
Ziehen Sie nicht vorbei! Bleiben Sie stehen!
—-
* aus: „Das Weltall im Bild“, Hans Haffner, 1967

Download mit Fotos, Text und Raumplan zur Ausstellung "es zieht vorbei"
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Satellit # 7 „Galerie des Westens“  Offene Systeme

mit Marikke Heinz-Hoek, Gabriele Künne, Erika Plamann,
Cordula Prieser und Maja Rohwetter
 
Eröffnung am Freitag, den 16. Februar 2018 von 19 – 22 Uhr

17. Februar 2018 – 10. März 2018

 

 

 

Ein dampfender Kochtopf, ein gefrorener Fisch in der Sonne…ursprünglich aus der Thermo-dynamik stammend, wird ein System als offen bezeichnet, wenn an seinen Schnittstellen hin- sichtlich einer seiner Kategorien ein Austausch stattfindet, dessen Energiebilanz ungleich null ist.
In der Informationstechnik wiederum versteht man unter einem offenen System eine Systemum-gebung, die durch offene Schnittstellen Interoperabilität, Portabilität und Erweiterbarkeit sichert.
Diese Ausstellung öffnet eine Schnittstelle für den Austausch zwischen den Systemen „GaDeWe (Galerie des Westens) Bremen“ und „Axel Obiger Berlin“.
Interoperabilität, also die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von Systemen, kann durch gemeinsame Standards gesichert werden. Interoperabilität kann aber auch die Fähigkeit unabhängiger heterogener Systeme sein, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten ohne vorherige Absprachen.
Dabei muss sich Interoperabilität nicht auf Informationsaustausch beschränken, sondern kann auch auf konzeptueller oder semantischer Ebene ansetzen.


In diesem Sinne zeigt die aktuelle Ausstellung die Interoperabiltät der zwei Systeme „GaDeWe"  Bremen und „Axel Obiger" Berlin, die strukturell sehr unterschiedlich funktionieren, sowie der jeweiligen künstlerischen Systeme der ausstellenden Künstlerinnen Marikke Heinz-Hoek, Cordula Prieser und Erika Plamann aus Bremen und Gabriele Künne und Maja Rohwetter aus Berlin. Alle verfolgen innerhalb ihrer eigenen sehr heterogenen Systeme eine Offenheit und Durchlässigkeit hinsichtlich der Kategorien, in denen die jeweilige künstlerische Arbeit sich bewegt. Absichtlich werden Erwartungen an ein Genre oder ein Material in Frage gestellt, um das System für Unerwartetes zu öffnen.

Marikke Heinz-Hoek legt in ihrer Videoarbeit durch die verändernde Wirkung der Erinnerung autobiografische Erinnerungsräume frei. Cordula Prieser nutzt Teile von Alltagsmöbeln und grundlegende textile Techniken wie das Stricken zur Flächenerzeugung für die formale, inhaltliche und räumliche Erweiterung ihrer Skulpturen. Erika Plamann arbeitet mit der Transformation von festgelegten Klischeefiguren aus Rollen eines gängigen Kitschbegriffs in wächsernen Figurationen an der Grenze zur Abstraktion. Gabriele Künne wählt für ihre keramischen Plastiken statt traditionellem Modellieren das Falten und Bearbeiten glatt ausgerollter Flächen, die beinahe industriell wirken. Die einseitige Glasur suggeriert eine Innen-und Außenseite; die Formensprache hinterfragt die keramische Form als Hohlkörper. In den Collagen von Maja Rohwetter verbinden sich bekannte und unbekannte Formen auf unterschiedlichen Ebenen malerischer und digitaler Repräsentation. In den entstehenden Bildräumen gerät der Realtitätsbegriff ins Schlingern.


Wir sind gespannt, welche Transfers von Wahrnehmung und Bedeutung zwischen den Exponaten entstehen und welche Erkenntnisse sich auch hinsichtlich der beiden Systeme GaDeWe und Axel Obiger ergeben.


Seit 27.1. bis 2.3. ist in Bremen die Kooperationsausstellung „Leerende Gähne“ mit den Axel Obiger- Künstlern Harriet Groß, Thilo Droste und Matthias Moravek und dem GaDeWe- Künstler Michael Wendt zu sehen

 

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Satellit # 6 „ZURÜCKBLEIBEN!“


finnfemfel: Albert Braun, Marcus Lerviks, Oskar Lindström / Gast: Mika Hannula


Eröffnung am Freitag, den 12. Januar 2018 von 19 – 22 Uhr


13. Januar 2018 – 10. Februar 2018

 

 

Die Ansage „Zurückbleiben!“ irritiert.

Besonders für ausländische Berlin-Besucher ist sie unverständlich und gerade deshalb einprägsam. Für Muttersprachler hat das Wort „zurückbleiben“ eine eindeutig negative Konnotation – man bleibt zurück, die anderen fahren, oder man wird zurückgelassen, kann nicht mithalten, ist überflüssig, zurückgeblieben?
Umso merkwürdiger, dass man zu so einer passiven Tätigkeit aufgefordert wird, früher von den Zugabfertigern live und recht barsch, heute mit einer neutral bis sexy klingenden entschärften Stimme vom Band und dem Zusatz „Bitte“.
 
Die S-Bahn Berlin reagiert damit nach eigener Aussage auch auf „eine zunehmende Risikobereitschaft, „um jeden Preis“ den bereits abgefertigten Zug noch zu erreichen.“
Die rot aufleuchtende Lampen über den Türen und der berühmte S-Bahn-Dreiklang allein reichen da wohl nicht. Geht es vielleicht gar nicht um Fakten, nicht darum einzusteigen, nicht darum, dass sich Türen schließen, sondern um das Zurückbleiben als Handlung, als Haltung,

als Gefühl?

Über diese kurze Ansage kann man viel nachdenken. Über Sozialdarwinismus, das Scheitern an der großen Stadt (oder der großen Stadt selbst), preußischen Gehorsam, Globalität und Lokalität, Beförderungsbedingungen...
Das organisierte Chaos in dieser Ansage ist Teil des Berlin-Gefühls, es bietet den lebens-notwendigen Spielraum für Ambivalenzen, der durch das destruktive Chaos des politischen Populismus immer kleiner zu werden droht.
 
In Hamburg wurde die Ansage 2014 abgeschafft, Berlin behält sie bei.
Wahrscheinlich gerade weil sie so schön uneindeutig ist wie die Stadt selbst.
 
Für diese Austellung hat Axel Obiger die finnische Künstlergruppe finnfemfel eingeladen.
finnfemfel versteht sich als eine Plattform für die Zusammenarbeit der Mitglieder und eingeladener Gäste an gemeinsamen Projekten, oft über große geografische Entfernungen hinweg. Ideen werden kooperativ entwickelt, organisiert und realisiert; daher sind die Ergebnisse nicht als individueller Ausdruck zu sehen.
Die Projekte sind entweder Simulationen oder basieren auf erzählerischen Aspekten, aber sie enthalten immer groteske, fiktive, dokumentarische und humorvolle bis komische Elemente.
Unterschiede, die aus der jeweiligen künstlerischen Praxis und der geographischen Verortung der Mitglieder herrühren, bereichern als positive Faktoren die Projekte von finnfemfel.

Maja Rohwetter, 2018

 

english version

 

The announcement “Zurückbleiben!” (Stay back!) is irritating. Especially for foreigner visiting Berlin, it is incomprehensible and therefore catchy. For native speakers, the word “zurückbleiben” has a clearly negative connotation – you stay behind, others go, or you’re left behind, can not keep up, you’re superfluous, retarded?

It is very strange that you are ordered to such a passive activity, earlier live and very harsh by a supervisor, today by a neutral and sexy-sounding defused recording and with the addition “Please”.

By their own statement, the S-bahn in Berlin try to prevent the commuters “increasing willingness to take risks” at any price “to catch already departing trains.” The red flashing lights over the doors and the famous S-bahn sound-triad alone are surely not enough. Perhaps it’s not all about the facts, not about getting involved, not about the closing doors, but about being left behind as an action, an approach, a feeling?

 

This announcement give you many things to contemplate about. About social Darwinism, the failure of the big city (or the big city itself), Prussian obedience, global and local, transport conditions… The organized chaos in this announcement is part of the Berlin feeling, it provides the vital space for ambivalences that threatens to become smaller and smaller through the destructive chaos of political populism.

In Hamburg, the announcement was abolished in 2014, Berlin keeps them.
Probably because it is as ambiguous as the city itself.

 

For this show Axel Obiger has invited finnfemfel to reallise a project in our space.
finnfemfel is a joint platform for the individual and invited members for collective projects.

Ideas are developed, organised and realised through collaboration; thus the results cannot be seen as individual expressions.

The projects are either simulations or are based on aspects of narrative, but they still contain grotesque, fictive, documentary and humorous/comic elements.

Differences that result from the members’ own artistic praxis and
geographical distribution are positive factors that enrich our projects.

 

(A free translation of Maja Rohwetters text for Axel Obiger)

 

Download mit Bildern, Raumplan und Text zur Ausstellung "ZURÜCKBLEIBEN!"
Ausstellungsarchiv_1.2018_zurueckbleiben
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