Retrospective Conversion

 

Eröffnung am Freitag, den 22. November 2019, 19 – 22 Uhr

23. November 2019 – 21. Dezember 2019

 

Donnerstag, 12. Dezember, 19 Uhr: Künstlergespräch mit Pater Georg Maria Roers SJ

Künstlerseelsorger & Kunstbeauftragter des Erzbistums Berlin

 

Im Laufe der Jahre hat sich einiges angesammelt in den Regalen, Kartons und anderen archivarischen Bauten des Ateliers. Da liegt Ver- aber nicht Fortgeworfenes neben den großen Würfen, da stapeln sich Leuchtkästen und Objekte, sanft lehnen schweigend verhüllte Leinwände und die Schubladen des Planschrankes öffnen sich schwer unter der Last des eingelagerten Papiers. „Retrospective conversion“, übersetzt: „Altbestandsarchivierung" lautet der sachliche Titel der Ausstellung von Thilo Droste und umreißt präzise dessen Intention einer Inventur, Bestandsaufnahme, einer Kartografierung des getanen Werkes. 

 

 

Nur bewaffnet mit einem Stift, dem Material, das wir mit dem Ephemeren und Skizzenhaften verbinden, führt der Künstler diese Überprüfung durch und bündelt so seine Arbeiten, die in ihrer Diversität häufig so anmuten, als hätten sie ganz verschiedene Urheber, zu einer einzigen Wandzeichnung. Das Thema der Selbstreflexion und Selbstbefragung, das das Werk von Thilo Droste wie kaum ein anderes durchzieht, wird dabei in der Ausstellung explizit behandelt. In der Ausstellung „Retrospective conversion“ findet eine Spiegelung auf subtile Weise statt, wenn durch die hier wahrnehmbare Teilung der (Künstler-)Identität in ein vergangenes, ein gegenwärtiges und künftiges Ich die anfängliche Annahme einer Einzelausstellung rekonfiguriert wird. Bekannterweise verstehen wir die meisten Dinge erst im Rückblick, während uns die Gegenwart in Atem hält und das Morgen bereits bedacht sein möchte. Das Paradoxon der sich selbst überschneidenden Zeit in unserem Sein und Handeln ist fein in die Linien der Zeichnung verwoben, die gleichermaßen Retrospektive wie neue Arbeit darstellt.