Parallelen treffen sich im Unendlichen

Nathalie Grenzhaeuser und Mathias Völcker

  

Eröffnung am Freitag, den 14. Februar 2020, 19 – 22 Uhr

15. Februar 2020 – 14. März 2020

 

 

Parallelen treffen sich im Unendlichen von Nathalie Grenzhaeuser und Mathias Völcker eröffnet im neuen Jahr die Reihe dialogischer Ausstellungen bei Axel Obiger – Raum für zeitgenössische Kunst. Im Ausstellungsraum treffen foto- und videobasierte Arbeiten der beiden Künstler aufeinander.

 

 

Ihre Herangehensweise und künstlerische Umsetzung ist sehr verschieden, dennoch gibt es wiederkehrende gemeinsame Themen, die sie in ihrer jeweiligen Arbeit reflektieren, wie das Motiv des Spiegels, die Auseinandersetzung mit Gestalt und Raum sowie die Verknüpfung unterschiedlicher Wahrnehmungsebenen der sichtbaren Realität. Während Nathalie Grenzhaeuser gezielt den Blick des Betrachtenden über die perspektivischen und lichtspezifischen Eingriffe in ihr Bildmaterial lenkt, entsteht dies innerhalb Mathias Völckers Arbeiten über die Materialität und den Rhythmus des Gezeigten. Ausgehend von ihren thematischen Schnittstellen entwickelt sich in ihrem Aufeinandertreffen trotz aller formalen Verschiedenheit, eine verbindende ruhige, fast meditative atmosphärische Dichte. Beide Künstler suchen dem Betrachtenden einen spezifischen, gleichsam assoziativen wie poetischen Gedankenraum zu eröffnen.

 

„Tatsache ist, dass sich hier nicht nur die Arbeiten eines Künstlerpaars ineinander spiegeln und nach außen reflektieren, sondern dass jede der genannten Reihen für sich eine individuelle Durchmischung von Innen- und Außenwelt in sich birgt, die den Zuschauer in eine Art Schwellensituation bringt, in der es ungewiss scheint, auf welcher Seite welchen Spiegels er oder sie nun steht.“ (Gabi Schaffner: Der dritte Raum, aus Katalog Spiegel von Nathalie Grenzhaeuser und Mathias Völcker.)

 

Parallelen treffen sich im Unendlichen ist bereits die vierte gemeinsame Ausstellung von Nathalie Grenzhaeuser und Mathias Völcker. Im Sommer 2016 haben beide unter dem Titel Higher Altitudes in der Fototeca de Cuba in Havanna ausgestellt. 

Im Verlauf der damit verbundenen dritten gemeinsamen Kubareise entstanden auch Nathalie Grenzhaeusers neue Bilder und Videoarbeiten, die ihre Serie La Marea (Gezeiten) fortführen und im Rahmen der Ausstellung bei Axel Obiger erstmals öffentlich gezeigt werden. 

Zu sehen sind unterschiedliche urbane Orte in Havanna und der Provinz Guantánamo. Mit ihren Bildern greift Nathalie Grenzhaeuser die Realität einer sich im Umbruch befindlichen Gesellschaft im Kraftfeld ökonomischer und politischer Realitäten auf. Spiegelungen und architektonische „Barrikaden“ verwehren bewusst eine einfache Lesbarkeit. Über die Komposition ihrer Bildräume und die assoziative Verbindung zur Malerei der Pittura Metafisica setzt Nathalie Grenzhaeuser sich jenseits des Kubabezuges mit Aspekten von Zeitlichkeit, Reflektion und Vergänglichkeit auseinander. La Marea (Gezeiten) verweist auf ein Naturphänomen, den wiederkehrenden Kreislauf von Ebbe und Flut, welcher in der Serie im übertragenen Sinn gemeint ist. „Die Verfallsdauer, die allen Dingen zu eigen ist, wird hier durch geänderte Weltläufe oder die Gewalten der Natur subtil visualisiert.“ (Thomas Schirmböck: Alltagsarchäologie an Fernen Orten, aus Katalog Gezeiten, Künstlerhaus Saarbrücken, 2014.)

 

Mathias Völckers fotografische Objektkästen, die zu den Kubabildern in Dialog treten, sind an ganz unterschiedlichen Orten entstanden und zeigen ihrerseits Aspekte unserer alltäglichen Gegenwart. Zu sehen sind fotografische Objekte, sogenannte Fadenbilder, die ihre Spannung und assoziative Kraft aus der Verbindung unterschiedlicher Materialien beziehen. Fotografische Fragmente der Wirklichkeit werden hier mit skulpturalen Elementen verbunden. Durch die unterschiedliche Materialität überlagern sich Realitätsebenen und gehen eine assoziative Verbindung ein. Anmutiges und Banales verbindet sich mit den Eigentümlichkeiten des Alltäglichen und Gegenwärtigen auf gleichsam humorvolle wie poetische Weise. 

In seiner 9-minütigen Videoarbeit Pots hingegen, nutzt er eine Teekanne als Projektionsfläche und lässt diese langsam um ihre eigene Achse rotieren. In deren spiegelnder Oberfläche ist ein Film zu sehen, der Schlüsselszenen aus Alfred Hitchcocks Film Vertigo mit den Turmspringern aus Leni Riefenstahls Film Olympia zu einer neuen Filmsequenz verbindet. Das Motiv des freien Falls in beiden Filmen, wandelt sich durch den Loop zum wiederkehrenden Motiv von Verlust und Desorientierung in Raum und Zeit. 

 

In Nathalie Grenzhaeusers Video Isla de la Juvendhud (Insel der Jugend) verbindet sich ebenfalls Zeitgeschichte mit der Gegenwart des kubanischen Alltags. Bildsequenzen der Ruinen des politisch einst wichtigen Panoptikum Gefängnisses Présideo Modelo schließen an Bildsequenzen der Hinterlassenschaften einstiger Internate an, die der Bildung einer sozialistisch, patriotischen Jugend auf der Insel dienten. Auch hier wird eine Verschiebung von Bedeutung thematisiert, die ähnlich Mathias Völckers Fadenbilder poetisch und ironisch gebrochen wird.