"Malerei begreife ich als ein Experimentierfeld" – Stefan Geyer
Lässt sich Malerei denken? Wenn ja – was wären Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für

eine Malerei, die sich Festlegungen und Zuweisungen entziehen möchte? Welchen Stellenwert

erhalten dann Formen und Farben –wesentliche Bestandteile von Malerei? Wie gering ist die Differenz zwischen einem malerischen Werk und einer Zeichnung? Stefan Geyer setzt sich in seinen künstlerischen Arbeiten mit Öl auf Leinwand und Buntstift auf Papier sowie in seinen illuminierten Installationen mit diesen Fragestellungen auseinander. Im Ausloten von Farbräumen, Perspektiven

und Beschaffenheiten von Oberflächen generiert er malerische und mediale Zwischenräume.


Auf groß- und kleinformatigen Leinwänden und Zeichnungen lässt Geyer Farbfelder in verschiedenen Helligkeitsstufen changieren. Ein kräftiges Rot, Blau, Gelb oder Türkis fächert sich im Bildformat auf und es entsteht der Eindruck eines dreidimensionalen Raumes. Diese farbigen Flächen, die sich zu wölben, dehnen oder krümmen scheinen, werden vom Künstler durch geometrische Linien oder Begrenzungen konterkariert und in weitere räumliche Perspektiven geführt.
Mit minimalistischen Mitteln entstehen Farbräume, die multi-perspektivische oder amorphe, fluide Räume generieren und denkbare Möglichkeiten von Verhältnissen zwischen Farbe und Form durchspielen. Das Variieren wird für Stefan Geyer zu einer malerischen Methode. Dabei reizt er mediale und handwerkliche Möglichkeiten aus. Seine sorgfältig aufgetragenen Farbflächen auf Leinwand und Papier lassen glatte Oberflächen entstehen, die an maschinelle oder digitale Herstellungsverfahren erinnern: Computerzeichnung, Airbrush und Graffiti.


Die serielle Vorgehensweise, eine Anonymität in der Farb- und Formauswahl, das Generieren von glatten Oberflächen und das Spiel mit Raumvorstellungen zeichnen die malerische zeitgenössische Position Stefan Geyers aus: Malerisches wird dekonstruiert und findet im Auflösungsprozess, der Zwischenräume und -zustände generiert, zu neuen Möglichkeiten.


Birgit Szepanski