kosmokonverter

Katrin Hoffert und Moritz Liebig

 

Eröffnung am Freitag, den 21. November 2014, um 19 h

 

22. November – 20. Dezember 2014


Am 19.12. ab 19 h Glühwein und Eierpunsch mit Weihnachtskaraoke

 

 




Der Kosmos bezeichnet neben dem Weltraum ursprünglich die Weltordnung, in der griechischen Mythologie das harmonische Ganze als Gegensatz zum Chaos. In welche Ordnung könnte also ein Konverter das Chaos umwandeln ? Oder: in welches Chaos die Ordnung umwandeln ? Oder: ist die Wirklichkeit ernst zu nehmen ?


Die Berliner Künstlerin Katrin Hoffert zeigt Malerei und Zeichnung, die aus Wirklichkeitsfragmenten besteht, vorgefunden in der Zeitung, im Internet, im Alltag. Vor allem in den zeichnerischen Arbeiten zeigt sich durch die Kombination mehrerer nicht zueinander passender Realitätsebenen ein surrealistisch anmutendes Collageprinzip, das sich jedoch durch die einheitliche Technik zu einem scheinbar harmonischen Gesamteindruck fügt. Trotz der stellenweise disparat erscheinenden Kombinationen wie: Mann im Garten, schwebende Drohne von hinten, Orchideenwald, Elektronikschrottberge in Afrika - ergibt sich eine Ordnung, die den Betrachter in Versuchung führt, die dargestellte Szenerie als ernst zu nehmende Wirklichkeit aufzufassen. Ordnung, System und Struktur, wie sie in der Natur zu finden ist, spielen bei Hoffert ebenso eine Rolle - auf einer Zeichnung zweier sich paarender Schnecken ist deutlich die Fibonacci-Spirale zu erkennen. In ihrer Malerei lassen sich Analogien zu digitalen Bildbearbeitungsprozessen erahnen, wenn z.B. Ein im Internet gefundenes Gruppenfoto durch mehrstufige Farbschichtungen zu einer quasi informellen Bildauffassung getrieben wird.


Auf der Einladungskarte jedoch ist eine Bleistiftzeichnung der Präparation des Gorillas Bobby zu sehen - keine sciencefictionartige Szenerie, sondern eine 1935 stattgefundene, absurde Handlung, die ein Teil der Natur zu einem leblosen Maskottchen des Berliner Zoos werden lässt. Moritz Liebig hat für die Karte die Keramik "Dummy" ausgewählt, eine dem Titel entsprechend zerknautscht wirkendes Objekt, dessen Oberfläche einerseits die Formensprache von Automobil-Außenverkleidungen assoziieren lässt, andererseits auch als vielfarbiges, amorphes Fragezeichen gesehen werden kann.


Der Dresdener Bildhauer Moritz Liebig entwickelt seit einiger Zeit mit Keramik eine gegenständliche Formensprache.  In seinen Arbeiten spielen oft Alltags-Bezüge und die verschiedenen Erscheinungsformen seines Umfeldes eine Rolle. Ob Figuren oder Gegenstände, seine Formensprache oszilliert zwischen dem erkennbaren, realen Abbild und einer frei modellierten, assoziativen Form. Eine Serie heißt "My Cameras" (2011), bei der er verschiedene Kameras nachgebaut hat, manche akribisch genau, andere mit bekannter Form und Proportion, aber ohne Details ("Lomo 6x6"), manche aber auch deutlich deformiert, z.B. "Melting Voigtländer". Trotz Deformation haben die dreidimensionalen Arbeiten klare Bezüge - die Figurinen beziehen sich auf Comics und Spielzeug aus den 80er und 90er Jahren, in der Installation "Die glorreichen 165" sind Transformer-, Ewok-, Batman- und Kermit-artige Figuren auszumachen. Jede Figur scheint ihr Eigenleben zu haben, jede hat eine andere, meist farbige Glasur - auch wenn sie mit einer benachbarten Figur auf irgendeine Art und Weise zu tun hat oder gar mit ihr verschmolzen ist. Mischwesen entstehen daraus, und mit diesem Thema der chimärenhaften Figur oder auch der uneindeutigen Gegenstände setzt sich der Künstler in mehreren Arbeitszyklen auseinander.


Bezüge zum Kunstgeschichts-Fundus sowie der technischen Entwicklung von Bildproduktion gehören bei beiden Künstlern zu einem selbstverständlichen Background-Pool, aus dem sie schöpfen und den sie mit ihren Ideen verknüpfen.

Sie gehen zwar von der Realität aus - weisen im nächsten Schritt jedoch schon wieder weg, in eine andere Richtung. Der Künstler als Umwandler der Wirklichkeit.


Gabriele Künne




 

Satellit #4 – Portrait Zeichnung in Serie

mit Arbeiten von: Matthias Beckmann, Jörn Gerstenberg, Andrej Glusgold,

Esther Horn, Arnold Landen und Gabriele Worgitzki


25. Oktober 2014 – 15. November 2014

 

 

„Portrait“ zum Monat der Fotografie, als Portrait Zeichnung in Serie.

Eine Gruppenausstellung, die sechs Positionen und Ihre Arbeitsweise gegenüberstellt.

Serielle Arbeiten zum Abbild, die auf die Themen – Raum und Zeit, Erinnerung, Starkult,

Tod und Wahrnehmung – eingehen.

 

Matthias Beckmann hat das Kunstatelier der Lebenshilfe Braunschweig gezeichnet.

Er erzeichnet sich in seiner Serie diesen Ort. Seine persönlichen Beobachtungen, in

der die Personen, deren Bilder, die Dinge und Räume – als gleichwertige Bildelemente

auftauchen, ergeben ein vielschichtiges Portrait eines Ateliers und der dort arbeitenden

Menschen.

 

Jörn Gerstenberg porträtiert Geschäftsleute, er setzt seine Transparentpapier Zeichnungen

von Zeitungsbildern vor Fotos, Katalogseiten oder vergilbte Papiere und lässt so

einen neuen Zusammenhang entstehen. Seine Zeichnungen von Investmentbankern und

Unternehmern werden so aus der Welt der Tagespresse in den Zustand des zeitlosen

Verfalls und der Anonymisierung übertragen.

 

Andrej Glusgold wirft mit seiner Serie „hall of fame“ einen ebenso ehrfürchtigen wie

ironischen Blick auf die Auswahl seiner persönlichen „Stars“ ... von Balthus, Dostojewski,

Nick Cave über Magritte hin zu Francesca Woodman. Tusche auf Bierdeckel oder Schwarz

auf Weiss.

 

Esther Horn zeichnet die selbe Person in realer Anwesenheit oder nach eigenen Fotoaufnahmen, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Die Zeichnung ist gleichermaßen

Vergewisserung des Gegenübers, als auch Inspiration durch den Portraitierten, ihn neu zu

sehen, Raum, Bild und Erinnerung in Zeichen zu fassen.

 

Arnold Landen hat sich mit dem „letzten Portrait“, der Totenmaske auseinandergesetzt.

Wir zeigen 16 Portraits aus seiner umfangreichen Serie von den „Großen der Deutschen

Kultur“. Künstler, Dichtern, Komponisten, Philosophen, oder so Nietzsche und Schnitzler,

Benn und Brecht, Weigel und Seidel – mit Kohle und Bleistift macht er aus ihrem letzten

Portrait das vorletzte, so bleiben Sie noch länger unter uns.

 

Gabriele Worgitzki zeichnet Ihre Serie „begehbare Räume“ früh morgens.

Sie benutzt für Ihre hier gezeigte Serie ein und dasselbe Foto, die Portraits die so entstehen

verändern sich – das flüchtige, suchende der Tuschezeichnung bleibt. Die Portraits

bewegen sich zwischen Auftauchen und Auflösen, Verschwinden und Verweilen.

 

 

 

„Schlangen beschwören“ | „Im Zwischendeck“

Susanne Ring | Kata Unger

 

Eröffnung am Freitag, den 26. September 2014 um 19 Uhr

 

27. September 2014 – 18. Oktober 2014

 

 



 

Wer hat Angst vor Sinnlichkeit?

Die beiden Berliner Künstlerinnen Susanne Ring und Kata Unger jedenfalls nicht.

Eine offensichtliche Gemeinsamkeit liegt in der außergewöhnlichen Art und Weise des Umgangs mit abseitigen, eher ungewöhnlichen Materialien: Ton und Wolle. Diese sind gängigen Klischees und Vorurteilen ausgesetzt. Ihre Materialwahl, allem Voran aber die souveräne Transformation der jeweiligen Inhalte in diese Materialen ermöglicht eine nicht nur intellektuelle, sondern auch einzigartige sinnliche Kunsterfahrung.

 

Susanne Ring formt tönerne Körper die sie spannungsvoll als Gruppen im Raum installiert, ihre sogenannten Ensembles. Der Titel „Schlangen beschwören“ weckt ambivalente Assoziationen, deren Ursprung in der breit gefächerten archaischen Symbolik wurzelt. „Schlangen beschwören“ thematisiert sowohl das Verhältnis zwischen „Schlange“ und „Beschwörer“ als auch das des Betrachters, mit seinem vom Wunsch nach Magie, verklärten Blick auf den Vorgang selbst.

 

Kata Unger webt Bilder. Fast könnte man meinen, sie malt mit den Wollfäden, so fluid und voller wellenartiger Bewegungen sind ihre Kompositionen. Der hier gezeigte Bildteppich

„Die Slowmotionbar im Zwischendeck“, spannt ein ganzes Netz von Querverbindungen, Irritationen und Paradoxien des Gegenwärtigen auf. Der Bildtitel verweist auf den von Michel Foucault entwickelten Begriff der Heterotopie; eine Art Gegenraum, einen realen Ort, jenseits aller Orte.

 



 

"the shape of things to come"

Alexa Kreissl und Maja Rohwetter

 

Malerei, Zeichnung, Installation

 

Eröffnung am Freitag, den 29. August 2014 um 19 Uhr

 

30. August 2014 – 20. September 2014

 

 

 

Form bezeichnet die äußere Gestalt oder die Art und Weise, wie etwas ist oder sich verändert.

In der Philosophie meint Form den Endzustand, den das Veränderte annimmt.

Der Prozess der Entstehung von Formen, das Beobachten und Provozieren dieser Verfestigung und Ver-flüssigung, der Bereich zwischen der Formulierung und dem Vagen, stehen im Zentrum der Arbeit von Alexa Kreissl und Maja Rohwetter.

 

Bezugspunkt ist das eigene Erleben von räumlichen Konstellationen und Formationen, die Bewegung des eigenen Körpers durch eine reale oder virtuelle Landschaft.

 

Die Mobilität, die Aufhebung eines fixen Standpunktes, lässt die Landschaft zu einer Vielzahl möglicher Landschaften, einer Vielzahl möglicher Realitäten, Zeiten und Räume zerfallen.

 

Das Moment, die Geste, das Temporäre, Unfertige, Fehlerhafte oder Zerstörte werden zum Motiv.

 

Aus der Kombinatorik von scheinbar rationalen mathematischen Elementen werden flüchtige, beinahe organische Formzusammenhänge.

Die Formlosigkeit der Farbe, der Farbreste, Gesten und atmosphärische Erscheinungen kondensieren zu Bildern.

 

In der Konzeption zur aktuellen Ausstellung werden Eventualitäten als Moment der künstlerischen Produktivität nebeneinander geworfen und provozieren Wetterleuchten, Gedankenblitze und andere Stürme.

 

 

 

 

 

Shining through the gallery window

 by Christl Mudrak und Katja Pudor

 

 05. August 2014 – 23. August 2014

 

 

Programm:

 Di. 5.8. Start mit Oliver Möst und Gast: Christoph Küng

 Mi. 6.8. gemeinsame Arbeit Christl Mudrak und Katja Pudor

 Do. 7.8. 20 Uhr Robert Estermann, Reflexe auf Fensterscheiben in Cartoons

 Fr. 8.8. gemeinsame Arbeit Christl Mudrak und Katja Pudor

 Sa. 9.8. Ruhetag 

 So. 10.8. gemeinsame Arbeit Christl Mudrak und Katja Pudor

 Mo. 11.8. Monika Jarecka, ab 20 Uhr

 Di. 12.8. Anna Bromley und Michael Fesca / Taichikaraoke, ab 19 Uhr 

 Mi. 13.8. Michaela Tröscher, Mutter mit Kind (2014), Objekte, ab 18 Uhr

 Do. 14.8. Andrea Übelacker, Set Nr. 5 (Installation, Zeichnung) ab 17 Uhr  /  Mich.Aela übt Riq (Sound) ab 20 Uhr

 Fr. 15.8. Marc Jung / Malerei

 Sa. 16.8. Antonia und Jens Nordmann, "Hausfrieden", Soundperformance, ab 22 Uhr 

 So. 17 8. Andreas Pröhl, Die Sofortigkeit des Augenblicks, 19 - 21 Uhr

 Mo. 18.8. Heike Gallmeier (Installation / Skulptur)

 Di. 19.8. Ute Ringel, am Cello, ab 20 Uhr

 Mi. 20.8. Peter Köszeghy/ Martin G. Schmid _ deformance, ab 20.00 Uhr 

 Do. 21.8. Hella Santarossa, „Wer tötet, hat´s nötig“ (Performance), ab 20.00 Uhr

 Fr. 22.8. Derniere, "everybody together" mit Anna Bromley und Michael Fesca, Taichikaraoke // Steffi Sembdner, Bewegung, ab 19 Uhr

 Sa. 23.8. Abbau, Christl Mudrak und Katja Pudor, mit einem Soundstück von Todor Penkov

 

„Shining through the gallery window“ ist ab 05.08 bis 23.08

456 Stunden im Schaufenster der Galerie zu sehen.

 

 

 

 

„leicht bis mehr farbig“

 Ludwig Bräutigam und Enrico Niemann

 

Eröffnung am Freitag, den 11. Juli 2014 um 19 Uhr

 

12. Juli 2014 – 02. August 2014

 

 

 

 

Eine grundlegende Gemeinsamkeit der Arbeiten von Ludwig Bräutigam und Enrico Niemann ist der experimentelle Umgang mit dem Material Papier als Grundlage, auf und mit dem ihre Arbeiten entstehen. Niemann nutzt dieses Material als einen unebenen Bildträger, der sich auch in in den Raum ausdehnt. Bräutigam betrachtet das Papier in seiner stetigen Bedeutung innerhalb des Mediums Zeichnung.

 

Die Farbe in den Zeichnungen von Ludwig Bräutigam ist durch die Entwicklung der Zeichnung über die Jahrhunderte beeinflusst – von einer leichten Akzentuierung, bis hin zu einer Farbintensität – die erst mit künstlich erzeugten Tuschen ermöglicht wurde. Bei Enrico Niemann ist die Farbig-keit eng mit dem Herstellungsprozess verknüpft, indem sich die Farbe beispielsweise entlang einer konstruierten Topografie ordnet oder mischt.

 

Niemann nutzt für seine Malerei die Eigenheiten ausgewählter Materialien, um letztlich Farbe an sich zu zeigen. Er übertragt getrocknete Farbschichten, faltet oder greift immer wieder in die Oberfläche ein. Die Sedimente der intensiven Farben rufen Assoziationen an geologische Strukturen hervor. Durch Überlagerung von Farben und Flächen, Farbbad und Schwerkraft entstehen Arbeiten die sich vom klassischen Malereibegriff gelöst haben.Die Bearbeitungsspuren bleiben nachvollziehbar,an den Berührungsflächen entsteht eine filigrane Farbigkeit. Seine Arbeiten entziehen sich jedoch dem Eindeutigen und lösen die ihr innewohnende Struktur immer wieder auf. Dabei bewegen sie sich zwischen Räumlich-keit und Fläche.

 

 

Die Zeichnungen von Ludwig Bräutigam sind eng mit der Materialität des Papiers verbunden. Häufig bereitet er das Papier durch Anschneiden, Ausheben von Papierschichten oder Falten vor, die darauf folgende Zeichnung wird durch die Veränderung des Materials beeinflusst oder vorgegeben. Der zeichnerische Vorgang ist meist bewusst einfach gehalten, um eine Vergleichbarkeit und Überprüfbarkeit der Ergebnisse zu ermöglichen. In seiner Arbeit geht er der Frage nach, was eine Zeichnung grundsätzlich ausmacht und welche Bedingungen sie an Material und Vorgehensweise stellt.

 

Ludwig Bräutigam verortet sich in einer historischen Kontinuität innerhalb der Zeichnung, Einflüsse und Bezugnahmen unterschiedlicher Epochen werden miteinander verbunden und gegeneinander gestellt.

 

 

 

 

 

 „FLÜCHTIGE KOORDINATEN“

Harriet Groß und Franziska Hünig

 

Eröffnung am Freitag, den 13. Juni 2014 um 19 Uhr 

Am Donnerstag den 03.Juli um 21 Uhr, „Intervention“ von Bettina Khano

 

14.06.2014 – 05.07.2014

 

 

 

Harriet Groß und Franziska Hünig zeigen in dieser Ausstellung raumbezogene Arbeiten.

Sie nähern sich dem Raum von unterschiedlichen künstlerischen Standpunkten aus.

Während Groß aus der Zeichnung kommend, flächige und grafische Elemente einsetzt, um Raum linearperspektivisch zu thematisieren, verwendet Hünig, aus der Malerei kommend, ursprünglich flächiges Planenmaterial, das als bemaltes dreidimensionales Objekt eingesetzt wird.

 

Die Reaktion auf den jeweiligen Ausstellungsraum, die Veränderbarkeit hinsichtlich Form und Größe der Arbeiten zeigt sich hier als Prinzip und als Grundlage der Ausstellungsplanung.

 

 


"Abschattung"

Nana Kreft & Tim Trantenroth 


Eröffnung am Freitag, den 16. Mai 2014, um 19 h 


Künstlergespräch am Freitag, den 06. Juni, um 19 h

 

16.05.2014 - 07.06.2014


 

 

In der Phänomenologie bedeutet nach Edmund Husserl die Abschattung das Verdecken 
anderer Wahrnehmungsmöglichkeiten. Ausgehend davon, dass ein Gegenstand aus unendlich vielen Perspektiven betrachtet werden kann, verdeckt die jeweils eingenommene Perspektive die anderen möglichen Wahrnehmungsseiten. Dennoch, so Husserl, hat der Betrachter ein Bewusstsein des gesamten Gegenstandes aufgrund von Verweisungszusammenhängen und Erfahrung.

 

Nana Kreft entwickelt aus der alltäglichen Wahrnehmung von Raum und Architektur, Zeichnungen,  Modelle und modellhafte Objekte, die oft fragil, rahmen- oder gestellartig konstruiert sind und den sie umgebenden Raum mit einbeziehen. Erkennbare Elemente aus dem urbanen Raum werden als Zeichnung in Linien, als Objekt in Latten, Flächen und Formen zerlegt, die ein Formen-Vokabular für eine veränderte Wahrnehmung des Raums und der Gegenstände im Raum bilden. Fotografien tauchen als Gesamtansicht einer architektonischen Situation, als Detail oder Collage auf. Kreft setzt Farbe und Farbkontraste ein, die eine wesentliche Rolle für die Wahrnehmung von Raum, Größe, Materialität und Oberfläche spielen. Bei einem regalartigen Objekt mit Fächern erscheinen so die Fächer durch die farbige Bearbeitung gleichartig, aber nicht gleich. Um einem Ort zu entsprechen, werden Objekte und installative Arbeiten erst vor Ort zusammengesetzt, teilweise auch Objekte erst vor Ort gebaut, wie im letzten Jahr bei „Other Shadows Embrace Mountains“ im Großen Wasserspeicher Prenzlauer Berg.

 

Wesentliche Ausgangspunkte für die Arbeit von Tim Trantenroth bilden Details von historisch und politisch-gesellschaftlich bedeutsamen Objekten, die in Verbindung mit besonderen Ereignissen oder Konflikten stehen. Sie werden aus ihrem bekannten Bedeutungszusammenhang herausgelöst, reduziert und als formale Struktur verwendet. Diese formalen Bildelemente erscheinen auf den ersten Blick oft abstrakt und offenbaren ihre Herkunft kaum. Sie werden teilweise als Wandmalerei in einen anderen Kontext gesetzt und als scheinbar ornamentales Gestaltungselement genutzt. Der Verweis funktioniert über charakteristische Formen oder Farben einer Epoche, einer bestimmten Zeit oder eines bestimmten Objektes. Durch die Abstraktion erhält das Motiv einen symbolhaften Charakter, zudem öffnet es sich gegenüber vielen angrenzenden Themenbereichen und irritiert die Wahrnehmung. Für diese Ausstellung hat sich Trantenroth mit der formalen Struktur der geodätischen Kuppel auseinandergesetzt. 
Den ursprünglichen Bezug bilden die Kuppeln der „Field Station“, der ehemaligen geheimdienstlichen Echelon-Abhörstation der West-Alliierten auf dem Berliner Teufelsberg.

Beide Künstler zeigen neue Arbeiten, deren Basis das Phänomen der teilweisen Wahrnehmung eines Objektes im Raum bildet. Zwar haben sie die Architektur als einen gemeinsamen Ausgangspunkt, gewichten jedoch bestimmte Teil-Aspekte unterschiedlich und entwickeln diese individuell weiter. Ein Ding ist, nach Husserl, in seinen begrenzten Bezügen nicht gänzlich erfassbar. Es kann immer nur eine Perspektive erlebt werden, zusammen mit der Abschattung der anderen möglichen Perspektiven.

 

Gabriele Künne 2014

 

 

 

GET IT, GOT IT, GOOD.

Sabine Tress und Gabriele Künne 

 

Eröffnung am Freitag, den 18. April 2014 um 19 Uhr

 

19.04.2014 – 10.05.2014

 

 

Ursprünglich ein "running dialog exchange" zwischen vier Charakteren aus der US-amerikanischen Filmkomödie "The Court Jester" (1955), der sich im Laufe der Jahrzehnte verselbständigt hat und inzwischen in unterschiedlichen Kontexten verwendet wird. Der Film ist geprägt von sprachlichen Bedeutungsumkehrungen in Verbindung mit Zungenbrechern, die sich schnell und unerwartet entwickeln und verändern. Sie lassen die Figuren und deren Handlungen absurd, von ihrer Identität abgetrennt erscheinen. Sprachliche Assoziationsfelder und neue Wortschöpfungen ergeben sich, die sich zu einem emotional gefärbten, abstrakten Geplapper oder Sprach-Geräusch entwickeln und die Figuren verwirrt zurücklassen.

 

Die Malerin Sabine Tress und die Bildhauerin Gabriele Künne setzen sich in der aktuellen Ausstellung mit dem Phänomen des visuellen Dialogs auseinander, der etwas neues, unerwartetes entstehen lässt. Durch die spezifische Anordnung der Arbeiten entsteht ein eigenständiger Ideen- und Assoziationsraum. Spontaneität und Intuition spielen bei der Arbeitsweise von Sabine Tress eine wesentliche Rolle. Schnell aufgetragene Farbfelder, flüssig verlaufende Farbe und Graffiti-artigen Sprühformen ergänzen und überlagern sich gegenseitig und schaffen eine Welt voller neuartiger Beziehungen. Die sehr prozessorientierte Arbeitsweise bleibt immer sichtbar, die Untermalungen, die einzelnen Pinselstriche, die von der eigenständigen Linie zur Konturlinie, zur festgefügten Form, zur ausufernden Fläche oder zum Fleck werden. Die mehrfachen Farbschichtungen lassen eine Tiefe, eine Räumlichkeit im Bild entstehen. Kaum prägen sich eindeutig erkennbare Dinge ein, alles bleibt im Fluss.

Gabriele Künne entwickelt aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Epoxidharz, Acrylglas, Draht, Stahl, Papier oder Keramik abstrakte Objekte und Installationen, die oft auf instabil wirkenden Gestellen oder flächigen Konstruktionen lagern. Ausgehend von der Vorgehensweise des planenden Menschen kombiniert sie aus Architektur-Fragmenten, urbanen Strukturen und Teilaspekten von Landschaft und Natur artifizielle Formen und transformiert sie in eine symbolartige Ebene. Fläche, Linie, Form und Farbe spielen gleichermaßen eine Rolle. In der Ausstellung zeigt die Künstlerin Keramiken, die aus gleichmäßigen Flächen zu dreidimensionalen Formen gefaltet, gerollt und geworfen auch die konstruktiven Möglichkeiten des Materials untersuchen.

In der Ausstellung setzen abstrakte skulpturale und malerische Elemente visuelle Prozesse in Gang, die mit dem Wesen des Kommunikativen spielen - zwischen Konstruktion und Destruktion, Zuordnung und Chaos.

 

 

 

KEIN BOCK

Alke Brinkmann und Katharina Moessinger

 

Eröffnung am Freitag, den 21. März 2014, um 19 h

Künstlergespräch am Donnerstag den 10.04.2014 um 19 h

 

21.03.2014 – 12.04.2014

 

In Katharina Moessingers Arbeit bezieht sich „Kein Bock“ auf Sportgeräte: Turnböcke und Turnpferde, die die Künstlerin ihrem ursprünglichen Kontext entnimmt, im Sinne der Doppeldeutigkeit des Begriffs verfremdet und ihnen damit eine surreale Lebendigkeit gibt. Die Künstlerin bezieht sich generell in ihrer Arbeit auf das komplexe, alltägliche Mensch-Tier-Verhältnis und zeigt in dieser Ausstellung drei aktuelle Arbeiten. 

 

Zwei ältere, ausrangierte Turnböcke sowie ein größeres Turnpferd haben zwar noch ihren ursprünglichen Lederkorpus, die Metallstützen wirken jedoch eher wie die Beine von Huftieren. Erschöpft hockend, ausgerutscht und hingefallen erscheinen die Böcke und das Pferd mit ehemals belastbaren, starren Beinen - jetzt mit Gelenken und Hufen labil, ihren Dienst nicht mehr erfüllend. Die ehemaligen Sportgeräte, die Wettbewerb und Leistung suggerierten, liegen und sitzen nun als personifiziertes Gegenüber im Raum und erzählen eine eigene Geschichte.

 

Alke Brinkmann inszeniert die zeichnerische Serie "The Dance for Freedom", bei der Steinewerfer im Mittelpunkt stehen, als umlaufendes Fries im Galerieraum. Es ist eine humorvolle Hommage an die Menschen, die mit dem Stein in der Hand ihrem Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung Ausdruck verleihen. Die Werfer sind aus Griechenland, der Türkei, Indien, Ägypten, der Ukraine, Deutschland...
Nach Vorlagen aus dem Internet hat die Künstlerin ca. 40 Bleistiftzeichnungen entwickelt, die einerseits von Ideen und Zielen handeln, die eingefordert und verwirklicht werden wollen, andererseits auch von der damit verbundenen Bewegung des Körpers, die von Brinkmann als "Revolutionstanz" beschrieben wird. Die Zeichnungen werden auf einem die Wände umlaufenden Farbstreifen gezeigt und offenbaren durch diese storyboard-artige Anordnung einen gewissen choreographischen Humor. Dieses Jonglieren zwischen inhaltlichen und formalen Schwerpunkten ist wesentlich bei Alke Brinkmann, oder, in der Version der Künstlerin "inwiefern verändert sich das Malen von Salatköpfen durch die Beschäftigung mit dem Krieg ?

 

 

ABSPANN

 

Stedefreund @ Axel Obiger mit Arbeiten von:

 

Stefka Ammon · Astrid Busch · Nicole Degenhardt · Sonja Draub  · 

Esther Ernst · Anne Gathmann · Annette Gödde · Stine Gonsholt ·

Kerstin Gottschalk ·  Geka Heinke · Franziska Hünig · Berit Hummel ·

Susanne Huth · Marlena Kudlicka · Andreas Lang · Dieter Lutsch ·

Anja Majer · Anke Mila Menck · Rebecca Michaelis ·  Antonia Nordmann · 

Uta Päffgen · Julia Prezewowsky · Marcel Prüfert · Katja Pudor ·  

Inken Reinert · Markus Shimizu · Alexandra Schumacher · Anne Vorbeck ·

Claudia Weber · Sinta Werner · Sandra Zuanovic

 

Eröffnung am Freitag, den 21. Februar 2014, um 19 h

 

 

 

Wenn der Abspann rollt, ist es fџr die meisten Besucher_innen an der Zeit zu gehen; aber es gibt auch Specials am Ende fџr die man bleiben sollte, um nichts zu verpassen... 

  

Stedefreund, der von Kџnstler_innen betriebene Produzentenraum, verabschiedet sich und zeigt in einer letzten Show rund 30 Arbeiten aller je am Projekt aktiv beteiligt gewesener Kџnstler_innen. Nach 7 Jahren intensiver und professioneller gemeinsamer Arbeit blicken die Akteur_innen zurџck auf 62 Ausstellungen, џber 30 Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Screenings, Performances und Konzerten und 7 Messebeteiligungen. An drei signifikanten Orten in Berlin Р in einem Plattenbau in der Rosenthaler Str. (2006-2008), in einem Hinterhof in der Dorotheenstra§e mitten in Berlin-Mitte (2009-2011) und zuletzt auf dem Areal eines ehemaligen DDR-Fuhrparks der SED in der Stra§burger Stra§e (2011-2012) Р, aber auch an wechselnden internationalen Orten (z.B. Kunsthaus Erfurt, Standpoint Gallery London, Kunstverein das weisse haus Wien, Marks Blond Bern oder dem City Museum Skopje) realisierte Stedefreund Projekte, in denen die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten (physische, kulturelle, soziale und abstrakte) von Raum und Raumerfahrung im Mittelpunkt stand. 

  

Ihre Fragestellungen entwickelte die Gruppe stets aus einem explizit kџnstlerischen Blickwinkel und belebte die Auseinandersetzung durch den Austausch mit Gastkџnstler_innen sowie GЉsten aus unterschiedlichen theoretischen Kontexten. Die basisdemokratische und selbstfinanzierte Struktur versetzte sie in die Lage, unabhЉngig von љkonomischen Motiven zu agieren. Im Spannungsfeld zwischen kџnstlerischer Selbstverantwortung und Selbstausbeutung hat sich Stedefreund durch seine kџnstlerische, konzeptionelle sowie strukturelle Ausrichtung nicht nur innerhalb der Berliner Kunstszene und des Kunstmarkts verortet, sondern sich auch in kulturpolitische Debatten eingeschrieben. 

  

Im Herbst 2012 erhielt Stedefreund die Kџndigung fџr den Ausstellungsraum in der Stra§burger Strasse. Investoren setzen auf dem Areal ein Wohnungsbauprojekt um und verdrЉngten damit eine der letzten noch erschwinglichen Gewerbehљfe im Zentrum der Stadt. 2013 verlie§ Stedefreund den festen Ausstellungsraum, um den Raumdiskurs in den љffentlichen Stadtraum zu tragen und eine offene Plattform fџr Austausch und Auseinandersetzung zu erschaffen. Ende desselben Jahres beschloss Stedefreund die gemeinsame Arbeit aufzugeben und das Projekt zu beenden.

 

Wie aber fing alles an?

 

PROLOG / VORSPANN

Nach der erfolgreichen Ausstellung Electric Ladyland 2005 im damals leerstehenden E-Werk in der Prenzlauer Allee wurden die vier Organisatorinnen Katja Pudor, Julia Staszak, Anne Vorbeck und Alexandra Schumacher 2006 zu Grџnderinnen eines Projektraums. Sie casteten ein Leitungsteam (Marc Wellmann und Jan Frontzek) und gemeinsam mit diesem 16 Kџnstler_innen. Stedefreund war von Anfang bis Ende ein von Kџnstler_innen selbst finanziertes Projekt. 

 

HANDLUNG  

Nach dem Weggang des ersten Leitungsteams 2007 kam Carla Orthen, die durch Ihre Arbeit Stedefreund immer gössere Präsenz inmitten des Kunstgeschehens verschaffte. Der Projektraum verЉnderte sich kontinuierlich: personell Р die Gruppe wurde kleiner Р und konzeptionell: immer wichtiger wurde der gemeinsame Nenner, Arbeiten in Bezug auf RЉume und zueinander zu kontextualisieren. 2009 џbernahm Heiko Schmidt die Leitung und Stedefreund erweiterte den Raumbegriff auf öffentliche RЉume, offene Diskurse und Gemeinschaftsausstellungen mit GЉsten aus dem und im In- und Ausland. Anne Fäser entwickelte von Ende 2009 bis Ende 2012 mit den Kџnstler_innen Ausstellungsserien mit intensivem Begleitprogramm, das etliche GЉste aus verschiedenen wissenschaftlichen und kџnstlerischen Bereichen bei Stedefreund zusammenbrachte. Von Anfang an war der Projektraum eine dynamische, offene und freie Plattform fџr Fragen und Ideen, die die Beteiligten selbst generierten und denen sie dort auf den Grund gehen konnten.  

 

EPILOG / NACHWORT 

Stedefreund dankt Allen, die das Projekt џber diesen langen Zeitraum begleitet und unterstџtzt haben, die die Auseinandersetzung gesucht und die Akteur_innen zur Diskussion herausgefordert haben. Besonderer Dank gilt der Galerie Axel Obiger fџr die gro§zџgige Einladung, Stedefreunds letzte Ausstellung in ihrem Raum in der Brunnenstra§e zu realisieren. 

 

 

 

DIE FEIER

 

5 Jahre Axel Obiger

Mit Arbeiten von: Alke Brinkmann · Harriet Groß · Katrin Hoffert · Nana Kreft · Gabriele Künne Katharina Moessinger · Oliver Möst · Enrico Niemann · Susanne Ring · Maja Rohwetter · Gabriele Worgitzki

 

Eröffnung am Freitag, den 17. Januar 2014, um 19 h

17.01.2014 – 14.02.2014

 

 

 

 

CASINO

Mit Arbeiten von:

Norbert Artner · Alke Brinkmann · Katrin von Lehmann · Klaudia Stoll · Ulrich Vogl

 

Eröffnung am Freitag, den 13. Dezember 2013, um 19 h

 

 

14.12.2013 – 11.01.2014

 

 

 

 

FRÜHER WAR ALLES BESSER

Oliver Möst und Anthony Werner

 

Eröffnung am Freitag, den 08. November 2013 um 19 Uhr

Künstlergespräch am Samstag, den 07. Dezember um 19 Uhr 
„das über vergessen und den weißt Du noch erinnern“

 

08.11.2013 – 07.12.2013

 

 

„Früher war alles besser ...da war noch ein Buch aus Papier / da waren alle Nächte länger / und noch Alkohol in Bier / früher fand jeder Arbeit / Da hatten wir noch echtes Geld / Da waren die Banken noch nicht pleite / es gehörte uns die Welt“¹

 

War früher alles besser? titelt die taz am 12.06.2012, und breitet ein Tableau der engstirnigen, reglementierten Gesellschaft, deren Werte und Lebensvorstellungen in den 1950er und 60er Jahren der Bundesrepublik aus. Ende der 60er Jahre kommen Oliver Möst und Anthony Werner auf die Welt, gehen gemeinsam zur Schule und werden Freunde.

 

Früher war alles besser - auch die Zukunft, lautet die Schlagzeile eines anderen Artikels in der Welt vom 11.09.2010. Eins war früher besser, bemerkt der Autor Michael Miersch, man war jünger. Vieles sah, erlebte man zum ersten Mal, Intensitäten, die sich später selten wiederholen. Der Aspekt der Veränderung spielt eine Rolle beim älter werden. In der Rückschau wird vieles anders gesehen und anders bewertet. Wie sieht man z.B. später die Fotos aus der eigenen Kindheit ?

 

Der Berliner Künstler Oliver Möst zeigt in dieser Ausstellung Fotos aus seiner Kindheit, die er mehreren Reproduktionsprozessen unterworfen und mit seiner eigenen Sehschwäche versehen hat - sodass das unscharf gewordene Foto als individuelle Erinnerung in den Hintergrund tritt und zu einer allgemein gültigen, beinahe kollektiven Erinnerung einer bestimmten Gesellschaft zu werden scheint. Diffuse Farbflächen, die Körper, Schatten und Raum gerade noch erkennen lassen, führen den Betrachter in eine watteweiche Erinnerungs-Welt. Das Verschwimmen der Identitäten und gewohnten Eindeutigkeiten öffnet bei dieser Arbeit das Feld für Überlegungen zur eigenen Wahrnehmung, zur Kategorisierung von Gesehenem und Erlebtem. Die ornamental gestalteten Bucheinbände der Insel-Bücherei dienen für Möst als Vorlage für die Rahmung der Fotoserie, und aus dem jeweiligen Titel des Buches ergibt sich - passend zum jeweiligen Motiv - der Titel der fotografischen Arbeit. Die Bucheinbände gehören für den Künstler zum gleichen visuellen und emotionalen Speicher wie die Fotos und stellen so eine atmosphärisch verdichtete Umgebung für diese konzeptuelle Arbeit her.

 

Anthony Werner zeigt abstrakte Malerei, die dynamisch-skripturale Elemente beinhaltet, ebenso wie starkfarbige, gestisch gemalte Flächen. Streetart - und Comic-Assoziationen drängen sich auf, werden jedoch teilweise durch Übermalungen wieder gebrochen und verweisen auf eine expressive Malerei im Zusammenhang mit Bewegung, Farbe und Raum. Flächen, Linien, angeschnittene Bildelemente und der heftige, schnell ausgeführte Farbauftrag lassen die Bilder von Werner scheinbar aus dem Rahmen treten und eine räumliche Qualität erlangen.
Der Münchner Künstler zeigt außerdem die Arbeit „Terrain“, die aus 18 Wand-Objekten besteht. Grundlage ist eine freie, ungegenständliche und schnell ausgeführte Zeichnung, die durch ihren skripturalen Gestus an Tags erinnert, sich hauptsächlich aber mit den Mitteln und Möglichkeiten der Zeichnung auseinander setzt. Auf Eisen übertragen, per Laser ausgeschnitten und schwarz geölt, konterkariert die „Eisenzeichnung“ die Formensprache der schnellen territorialen Markierung.

 

Werner und Möst setzen sich in der aktuellen Ausstellung auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Phänomen der eindeutigen Erkennbarkeit, Zuordnung von Bekanntem und Erinnerung auseinander. Beide reizen die Grenzen und Möglichkeiten der jeweiligen Medien für ihren Kontext aus. Die beiden Positionen stellen ein spannungsvolles Gegenüber und Miteinander dar, das es als adäquate Erinnerung zu bewahren gilt.

Gabriele Künne 2013

¹aus: Songtext der Rockband Saltatio Mortis

 

 

 

MÜBAFIX

Gabriele Künne & Matthias Moravek

 

Eröffnung am Freitag, den 04. Oktober 2013 um 19 Uhr

Künstlergespräch am Samstag den 02. November 2013 um 19:30 Uhr

 

05.10.2013 – 02.11.2013

 

 

In der aktuellen Produktinformation zum Gerüstsystem FIX 70 der müba GmbH & Co. KG wird das müba Rahmengerüst FIX als eine "sicherheitstechnisch durchdachte Konstruktion in Großserienproduktion" beschrieben, das "eine sichere und wirtschaftliche Investition in die Zukunft" gewährleistet.
Weniger um Sicherheit, keinesfalls um Großserienproduktion und auch nicht um wirtschaftliche Investitionen geht es bei der Kooperation "mübafix" von Gabriele Künne und Matthias Moravek. Vielmehr um Gerüstsysteme als Ausgangspunkt für Konstruktionen, die sich mit den Grenzbereichen und Übergängen von Fläche und Raum, Malerei und Skulptur auseinandersetzen. 
Sicherheit und Stabilität als Erfolgsgarant werden bei Künne&Moravek in ihr Gegenteil verkehrt - Verbindungen werden auf die allernötigsten Elemente reduziert und halten die Gesamtkonstruktion in einer fragilen Balance, die keine zusätzliche Belastung erlauben würde.
Unterschiedlich bemalte Flächen, Holzlatten und Stäbe, die hinter-über-und nebeneinander befestigt sind, erzeugen durch die gerüstartigen Konstruktionen eine irritierende Form des räumlichen Eindrucks. Glatte Baumarkt-Materialien, gefundene, verlebte Holzteile und Sägereste fügen sich zu räumlich-architektonischen Gebilden und werden durch einen differenzierten Umgang mit Farbe und industriellen Materialoberflächen zu poetischen, farbigen Objekten. Bemalte Flächen werden durchbrochen, konstruktiv wichtige Stellen sind beschädigt, ausgefranst.

 

Die Kooperation "mübafix" ist von den Künstlern als temporäres Projekt angelegt; beide verfolgen parallel dazu ihre eigene künstlerische Position.
Die Bildhauerin und Installationskünstlerin Gabriele Künne entwickelt aus Materialien wie Holz, Epoxidharz, Acrylglas, Draht, Stahl, Papier oder Keramik abstrakte dreidimensionale Objekte und Zeichensysteme, die oft wie planerische Szenarien oder modellhafte Versuchsanordnungen inszeniert sind. Sie geht von den rationalen Dispositiven moderner Städte und Landschaften aus und unterzieht die unterschiedlichen Vorgehensweisen des planenden Menschen einer genaueren Betrachtung. Architektur-Fragmente, urbane Strukturen und Teil-Aspekte von Landschaft und Natur werden reduziert und assoziativ verwendet, dekonstruiert und rekombiniert. Die Künstlerin kombiniert alltägliche Materialien mit artifiziellen Formen und transformiert sie in eine symbolartige Ebene, die von Wahrnehmung und Erkenntnisvermögen handelt. Die seit einigen Jahren entstehende Werkreihe des "Arbeitsplatzes" operiert ähnlich wie bei den mit Moravek enstandenen Arbeiten mit instabil wirkenden Konstruktionen aus Holz, bei denen Material, Format, Größe und Anordnung eine Rolle spielen.

 

Der Maler Matthias Moravek setzt sich in seinen Arbeiten mit bildnerischen Strategien der Entdeckung, Eroberung und Inbesitznahme von Landschaften, Regionen und Kontinenten auseinander. Die motivbildenden weißen Flächen fungieren hierbei als Platzhalter, thematisieren die An- und Abwesenheit des agierenden Personals und bestärken die Funktion der Bilder als Sehnsuchtsorte. Die gezeigte temporäre Architektur, Zelte und biwakartige Konstruktionen bieten möglicherweise eine vorübergehende Zuflucht und verdeutlichen den Gegensatz zwischen Architektur und Natur, Konstruktion und Dekonstruktion sowie zwischen geometrischer Abstraktion und Chaos.
Wie bei den mit Gabriele Künne entwickelten Objekten changiert der Farbauftrag dabei zwischen transparent-lasierend, schlierig, zerlaufend, fleckig und körperhaft-pastos und enthält damit beides: Kontrolle und Zufall.

 

In der aktuellen Ausstellung werden Ergebnisse der Kooperation Künne & Moravek zu sehen sein, die bildhauerische und malerische Ausdrucksmöglichkeiten in ihrer Kombination und ihrem Spannungsfeld untersuchen. Neben den Arbeiten der Werkreihe „mübafix“ werden auch Einzelarbeiten der Künstler zu sehen sein, die verschiedene Ausgangspunkte und Schnittstellen der Zusammenarbeit erkennbar werden lassen.

 

 

 

 

VOCABULARY

Harriet Groß und Beate Terfloth

 

Eröffnung am Freitag, 30. August 2013 um 19 Uhr

 

31.08.2013 – 28.09.2013

 

 

Dem Ausdruck und den Möglichkeiten der Linie, der geplanten und genau ausgeführten Linie wie auch der scheinbar beiläufig entstandenen oder kaum kontrollierten Linie gilt die Aufmerksamkeit von Harriet Groß und Beate Terfloth. Die Künstlerinnen entwickeln in ihrer Arbeit ein zeichnerisches Vokabular, das sie in unterschiedliche Richtungen treibt. Beide verstehen dabei jedoch die Zeichnung als Medium im Raum, die Zeichnung als raumveränderndes, raumprägendes und letztlich auch als räumliches Medium.

Harriet Groß forscht seit längerem zum Themenkomplex der Zwischenräume. Räume, die sich zwischen der äußeren Wirklichkeit und der subjektiven inneren Wahrnehmung befinden. Die Überlegungen zu diesem Zwischenbereich manifestieren sich in ihren Zeichnungen, Cut-outs und objekthaften Arbeiten.
Ist es die Wand, auf der sie mit Schnüren Raumskizzen entwirft, mit dem Cutter auf dem Papier kaum wahrnehmbare Ritzungen hinterlässt oder in Metallfolie Linien zieht, wodurch sich durch das Herauslösen von Flächen teils Durchlässe und damit eine Welt von Schatten ergeben; immer kreist sie um die Räume, die sich durch das Bearbeiten und Kombinieren des Materials in ihrer Vielschichtigkeit zeigen.
Die Formen und Motive wechseln zwischen teilweise erkennbaren Gegenständen und Abstraktionen.
Während einer Asien-Reise im Sommer 2013 hat die Künstlerin vor allem in der japanischen Architektur Elemente gefunden, die ihren Überlegungen visuell entsprechen und aus den dort entstandenen Skizzen Arbeiten für die aktuelle Ausstellung entwickelt.

Die Neonarbeiten von Beate Terfloth sind dagegen ganz auf elementare Linien reduziert, die zunächst auf eine - für dieses Medium typische - Zeichenhaftigkeit schließen lassen. Eine eindeutige bildhafte Zuordnung machen sie jedoch nicht möglich. Stattdessen geht es um die Linien selbst und ihre Wirkung auf den Raum, den sie durchlaufen. Landschaftszeichnungen, in denen die Künstlerin ihr „Vokabular“ immer wieder anreichert, sind der Ausgangspunkt der Neonarbeiten, deren Linien in offener, reduzierter Form mit der Umgebung in einen durchlässigen Dialog treten.
„Die mühelos fliessende Linie und aufwendig gebogenes Material treten miteinander ebenso in Bezug wie das intime Format der Zeichnung und die Signalhaftigkeit der Lichtinstallation- der Modus des Aufzeichnens trifft auf den Modus des Ausstrahlens „ ¹

In den Räumen von Axel Obiger zeigt Beate Terfloth eine Neon-Arbeit, die sich in eine spannende Korrespondenz zu den zeichnerischen Arbeiten von Harriet Groß begibt.
Die Ausstellung „Vocabulary“ zeigt, was Zeichnung aktuell sein kann - vor allem in ihrem Verhältnis zum Raum. Gabriele Künne, 2013
¹ Manuela Ammer im Text „every wall is a door“, Salzburger Kunstverein 2012


Im Rahmen der Ausstellung vocabulary zeigen wir am 20.09.2013 um 19:30

No more words, no other thougts. About the rituals of speaking. von Juliane Zelwies

 

Richard and Felix (Part 1), Berlin / London 2012, 20 min, HD (ENGLISH)

Two men meet on a quiet afternoon at Speaker‘s Corner in the Hyde Park, London. While one is rehearsing a speech for an upcoming audition, the other is walking past, and stops to listen out of curiosity. They start chatting, they shake hands, they talk a little more - about their beliefs, values and the constraints of ‚the society‘ - and eventually they part again. „Richard and Felix“ is one part of a cycle of works which look into different aspects of rhetoric. Further parts are in progress. Richard and Felix has been shown as part of the project „Ambiguous Being- Who is afraid of identity?“ at tamtamArt,


Berlin; KAV16 Community Gallery, Tel Aviv (Israel); Digital Art Lab, Holon (Israel); Hong-Gah.

 

 

 

 

HOCHSITZE

Ulrich Schreiber

 

Finissage am Freitag, den 23. August 2013 um 19 Uhr

 

08.08.2013 – 24.08.2013

 

Wiedereröffnung der Galerie nach der Sommerpause mit Umtrunk und Künstlergespräch mit Ulrich Schreiber.

Die Ausstellungsräume bleiben bis zum 23. August geschlossen.

 

"Hochsitze" ist 24 Stunden / 16 Tage und Nächte im Schaufenster der Galerie zu sehen.

 

 

 

ADAPTER

Gabriele Worgitzki & Jörn Gerstenberg

 

Eröffnung am Freitag, den 05. Juli 2013 um 19 Uhr

Künstlergespräch und Lesung, am Freitag, den 19. Juli um 19 Uhr

 

06.07.2013 – 03.08.2013

 

 

Adapter · Kooperative Wandzeichnungen von Gabriele Worgitzki und Jörn Gerstenberg

 

Das kooperative Zeichnen ist eine Suche nach künstlerischer Kompatibilität und dem Bewahren
konträrer Elemente. Zeichnerische Schnittstellen sind die Adapter unterschiedlicher Auffassungen
der Künstler. Unstimmigkeiten erhöhen die Spannungen von Linien und Flächen, grafischem
Duktus und malerischer Zeichnung. 
Diese Kommunikation wird umso ernsthafter, indem sie sich, schwer korrigierbar, als Wandzeichnung
manifestiert. Die Arbeit erfolgt etappenweise. Es gibt Vorlagen und Reaktionen darauf. Was
angelegt ist, wird umgedeutet, verstärkt oder abgemildert.Stilistische Brüche bekommen eine
inhaltliche Bedeutung. Was ein zeichnerischer Fehler ist, bestimmt die Reaktion des anderen
Zeichners darauf.
Augenblickliche Einfälle entwickeln sich unter dem psychologischen Druck, nicht zu beeinträchtigen,
was der andere geschaffen hat. Jeder geht mit diesem Problem anders um. Verbale Kommunikation
muss sich immer zeichnerisch materialisieren. Gelungene Abstimmung und die Gefahr
des Misslingens liegen nahe beieinander. Die Kooperation gelingt im sich ständig verändernden
Schwebezustand der Bereitschaft, dem anderen Spielraum zu lassen und gleichzeitig den eigenen
Ausdruck auf den Punkt zu bringen. Die Wandzeichnung ist eines der spannendsten Medien einer
ernsthaften Auseinandersetzung mit der Kunstauffassung des Anderen und den Betrachtern der
Arbeiten.

Gabriele Worgitzki entwickelt ihre Zeichnungen aus dem Moment des Flüchtigen, die sie in einem
Prozess des Übersetzens in einen andauernden Zustand der Visualisierung überträgt.
Sie fotografiert zufällig vorbeieilende Passanten auf der Straße. Diese Charaktere auf den Fotos
werden von ihr studiert und es wird zu ihnen eine gedankliche Verbindung hergestellt, bevor
sie diese zeichnet. In verschiedenen Varianten entstehen Annäherungen, Deutungen oder eine
Abwehrhaltung gegenüber den dargestellten unbekannten Personen. Die Porträts bekommen
eine Universalität durch die Anonymität der Abgebildeten, ihrer Körpersprache und ihrer Mimik,
welche selbst zum Gestus der Zeichnung werden. Die Porträts sind untrennbar verwoben mit
augenblicklich gesetzten abstrakten Farbflächen, Verläufen, Klecksen und Schlieren. Auf diese
Weise bestimmt das Porträt das nicht abbildende Repertoire der Zeichnung und wird von ihm
zugleich geformt. Das Zusammenspiel der Anwendungen derselben zeichnerischen Mittel, die zu
abstrakten Zeichnungen führen und im selben Moment ein realistisches Porträt erschaffen, macht
die Spannung dieser Zeichnungen zu einem intensiven Erlebnis.

Jörn Gerstenberg schuf modulare Wandzeichnungen deren Verbindungsstellen streng standardisiert
sind. Um sich auf eine zeichnerische Zusammenarbeit einzulassen, löste er sich von figurativen
ornamentalen Formen der Zeichnung und wendet sich einer offeneren Arbeitsweise zu. Mit
Pigmentmarkern arbeitend, verfolgt er eine technisch und emotionslos anmutende Linienführung.
Er setzt Linien, die sich in einem imaginären Raum endlos vorsetzen könnten, ihn jedoch klar
definieren und logisch bestimmen. Aus Zeitschriften bezieht er Pressefotos von Innenräumen,
Gebäuden, Fahrzeugen und Geräten, die in Verbindung mit medial zelebrierten Ereignissen,
Katastrophen oder politischen Auseinandersetzungen stehen. Die Motive sind emotional hoch
aufgeladen, werden vom Zeichner ihrer unmittelbaren Wirkung entzogen. Als Liniengerüst stark
abstrahiert, bleibt ein Unbehagen des Betrachters der Zeichnung. Der Moment der Bedrohlichkeit
kontrastiert mit der grafischen Schönheit, die der Eleganz einer klaren Linie innewohnt. Dekonstruktion
und Dekorativität der Zeichnung provozieren den Blick des Betrachters, dazu eine Haltung
zu entwickeln, zu deuten, sich anzunähern oder eine Abwehrhaltung einzunehmen.

 

Jörn Gerstenberg 

 

 

 

 

THE DELICATE BALANCE OF TERROR

Maja Rohwetter + Knut Eckstein

 

Vernissage am 31.05.2013 um 19 Uhr

Donnerstag den 20. Juni 2013 um 19:30 Uhr, filmscreening und artist talk mit Juliane Zelwies 

 

01.06.2013 – 29.06.2013

Sie zeigt aus Ihrer Videoarbeit "Meisterwerke", Las Meninas (Diego Velásquez)

In Albert Wohlstetters Publikation "The delicate Balance of Terror" von 1958 wird vor dem Hintergrund der 
US-amerikanischen Verteidigungspolitik die Rolle der Stabilität der thermonuklearen Balance untersucht. 
Der Politikwissenschaftler diskutiert die Notwendigkeit dieser Balance einerseits als fragwürdig und riskant, 
andererseits aber auch als geeignetes Mittel zur Abschreckung.

Die Malerin Maja Rohwetter und der Bildhauer Knut Eckstein beziehen sich in diesem Sinne auf eine Art des 
Terrors, der eine anhaltende Belastung beinhaltet - hierbei wird eine instabile und unsichere Situation erzeugt
- eine empfindliche Balance. Die Bedingungen für diese Art des Terrors können gesellschaftspolitischen wie 
psychosozialen Ursprungs sein.

Knut Eckstein baut aus teilweise gefundenen "armen" Materialien wie Pappkartons, Plastikflaschen, Verpackungen 
aller Art, Schnüren und Holzresten Objekte und Installationen, die oft unerreichbar hoch, an Decken, in Ecken, 
über Schränken angebracht sind oder auf labilen Konstruktionen lagern. Diese Reste der Konsumgesellschaft 
werden oft brutal und nachlässig behandelt, stellenweise bemalt, umgeformt, verschnürt und von Zeichnungen 
oder Texten kommentiert - sie stellen in ihrer fragmentarisierten und rekombinierten Form nicht nur die Frage 
nach der bildhauerischen Ausdrucksmöglichkeit, sondern auch nach dem sozialen und politischen Zusammenhang.

Maja Rohwetter malt Räume und Szenarien, die sich aus bekannten Elementen der realen Welt und konstruierten 
Elementen der virtuellen Welt zusammensetzen. Die Bildelemente oszillieren dabei zwischen Architektur- und 
Naturfragmenten, Strukturen aus Computerspielen und abstrakten Farbschlieren- und Flecken, die einer 
Bewegungsunschärfe entstammen können, einem Fehler des Programms, einer Übergangszone, einer Soll-
bruchstelle der Realitätsebenen. Die Wahrnehmung wird verunsichert und wir versuchen im Kopf ein Gesamtbild
aus den malerischen Häppchen zu entwickeln - das Ergebnis könnte lauten: "Schwebende Farbknödel mit 
unregelmässig tektonischer Form vor romantisch-apokalyptischem Himmel"
- oder, in der Version der Künstlerin: "agglomerated disbelief".

Für die Ausstellung haben beide Künstler neue Arbeiten entwickelt, die sich mit instabilen und unsicheren 
Situationen auseinandersetzen, mit zerbrechlichen, bedrohlichen und provisorischen Systemen als Teil unseres Alltags.
Teilaspekte der realen Welt verbinden sich mit Strukturen der virtuellen Welt und der künstlerisch gestalteten Welt 
zu einem Agglomerat poetischer Absurdität vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Lebenswirklichkeit.

 

Gabriele Künne 2013

 

 

 

 

"SO SIEHT ES AUS"

Nana Kreft + Ruth Verraes

 

Eröffnung am Freitag, den 26. April 2013 um 19 Uhr

 

27.04.2013 – 25.05.201

 

Nana Kreft und Ruth Verraes haben für diese Ausstellung eine Installation entwickelt, die sich mit Grenzbereichen und Besonderheiten der Wahrnehmung auseinandersetzt. Wahrnehmung, die sich im subjektiven Bereich des kaum Benennbaren aber Sichtbaren bewegt. Die Künstlerinnen inszenieren assoziative Anordnungen, die im Zusammenwirken der Einzelaspekte deren Grenzbereiche und Besonderheiten visuell fassbar machen.

 

In der Arbeit von Nana Kreft bilden der Raum und die Architektur wesentliche Ausgangspunkte, die sie zunächst als Zeichnungen, eigene Fotos oder auch gefundene Fotos (Zeitung, Internet) sammelt, um sie anschließend in ein vielfältiges Basis-Vokabular aus Formen, Volumen, Flächen und Strukturen zu zerlegen. Aus diesem zerlegten und transformierten Material entwickelt die Künstlerin installative Arbeiten, die die Übergänge von Fläche und Raum thematisieren, von Begrenzungen, von Überschneidungen der objektiv visuellen Wirklichkeit mit der subjektiv wahrgenommenen Wirklichkeit. Ihr Interesse gilt dabei auch den "Fehlern" der menschlichen Wahrnehmung, Irritationen und Verschiebungen.

 

Für Ruth Verraes stellen die natürliche Landschaft und der Text zentrale Ausgangspunkte dar. Text und Sprache als ein Element, Wahrnehmung fassbar zu machen, Wahrnehmung zu materialisieren und dieses Text-Material auf seine Bedeutung und seine Grenzen hin zu untersuchen. Die Erforschung dieser Bedeutung impliziert für Verraes aber auch die Frage nach dem Einfluss der Sprache auf die Wahrnehmung unserer Umgebung, die damit verbundenen Einschränkungen, die

Uneindeutigkeiten, die Kontextverschiebungen. Die Umgebung, die natürliche Landschaft, stellen für diese Untersuchungen das visuelle Material, an dem die Arbeitsprozesse sichtbar werden. Auch der bildhafte Charakter des Textes bzw. des Zeichens wird mit einbezogen und eröffnet eine weitere Bedeutungsebene.

 

Auf ähnliche Art und Weise wie Verraes Text und Landschaft in einzelne Teile für ihre Untersuchungen transformiert und in neuen Zusammenstellungen akkumuliert, so verwendet Kreft fragmentarisierte Architektur und urbane Strukturen als Bausteine für den visuellen Text ihrer installativen Arbeiten. Die aus dem ursprünglichen Kontext isolierten, oft sehr grafisch wirkenden Elemente verweisen bei beiden Künstlerinnen als fragiles Objekt, Zeichnung, Fotografie und Installation in unterschiedlichen Zusammenstellungen auf einzelne Überlegungen des übergeordneten Themas. Grenzbereiche und Besonderheiten der Wahrnehmung als Spannungsfeld und Basis dieser Kooperation, haben die beiden Künstlerinnen ihre prozessorientierte Arbeitsweise auch bei dieser Ausstellungskonzeption - die speziell für den Ausstellungsraum bei Axel Obiger erarbeitet wurde - beibehalten.

 

 

 

 

BLANC ZONE -  THE POETRY OF LIMITS, TATJANA FELL & FERNANDO NIÑO-SANCHEZ

 

22.03.2013 Eröffnung, BLANC ZONE  -  The Poetry of Limits 

FINISSAGE /// Samstag 20 April /// 19 - 21 Uhr

Performance und Gespräch: Zum Wesen der Begrenzungen, Samstag den 06. April, um 20 Uhr

 

23.03.2013 – 20.04.2013

 

 

Ab 19 Uhr gibt es die Möglichkeit zu individuellen Gesprächen und gemeinsamen Austausch mit den Künstler/innen über das Ausstellungskonzept und die Wahrnehmung und Reflektion von Raum.


Sie beginnen nicht mit Bachelard, Lefebvre, Heidegger oder Hölderlin, auch nicht mit Hannah Arendt
oder Platon, sie beginnen bei sich und mit sich, mit der Erforschung des Naheliegenden, immer
vorhandenen und unausweichlichen Abgeschlossenseins, dem Innen und Außen der eigenen Existenz,
der Person, der Künstlerperson.

Sie arbeiten nicht, wie es sonst ihren künstlerischen Arbeiten eigen ist, vom Kontext zum Text, von
der Peripherie zum Zentrum, von kulturellen, politischen, sozialen Feldern an Schnittstellen mit deren
GestalterInnen - zur terra humanum.

Es wird aus dem „Nichts“ geschöpft, aus dem Weiß die Farbigkeit abgeleitet, aus der Transparenz
die Zeitlichkeit, aus der Endlichkeit der Sprache eine Ordnung und aus der Handlung der Tonus von
Bewegung und Resistenz, das Geräusch gibt den Klang von Hoffnung oder Aufgabe und wirft zurück
was man selber sich ertasten und erfühlen kann.

Als Work in Progress konzipiert entscheiden sich die KünstlerInnen innerhalb dieser Installation
zur Verhandlung, zur Kooperation, Kollaboration und gemeinsamer Forschungsreise, die Stellen von
Begrenzung und Perforation, Ränder, Schnitte und Überlappungen nachzuzeichnen, zu berühren, zu
besehen und aus dem daraus sich formenden, Wert zu entdecken – jenseits der gewohnten Negationen
des Durchtrennens, Abspaltens, Absonderns.

In Kolumbien geboren, thematisiert Fernando Niño-Sanchez besonders Eindrücke kultureller Diversität
und bearbeitet soziale Akkulturationsprozesse und Konfrontationen mit visuellen Wirklichkeiten auf
einer ästhetischen Ebene.
Tatjana Fells Arbeiten reflektieren Zonen des Übergangs von latenter Existenz zu Sichtbarkeiten, hierarchische
Strukturen, Bewertungssysteme, sowie Konnotationen und deren Wirkweisen und öffnen
Übergänge zur Partizipation.

Tatjana Fells & Fernando Niño-Sanchez speziell für den Raum von Axel Obiger konzipierte Installation
arbeitet mittels eines Netzwerks aus Metaphern und Verweisen, die sich erschließen, wenn der
Besucher sich aktiv in Bezug setzt. Mit ihrer Performance „Zum Wesen der Begrenzungen“ im Rahmenprogramm,
erweitern sie diese Nachforschungen.

„leerstellen“

mit Arbeiten von: Brice Bourdet, Harriet Groß, Harald Hofmann, Nana Kreft,

Abe Rechterschot, Maja Rohwetter, Oliver Schmidt, Tian Tian Wang und Gabriele Worgitzki

 

Eröffnung am Freitag, den 22. Februar 2013 um 19 Uhr

 

 

23. Februar 2013 – 16. März 2013

„leerstellen“

Für den Titel „leerstellen“ der kommenden Gruppenausstellung in der Galerie Axel Obiger waren sowohl ökonomische Bedingungen und situative Geschehnisse, als auch allgemein zu beobachtende Leerstände in gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen die Inspirationsquelle.

 

Im allgemeinen Verständnis bieten „leerstellen“ dem Rezipienten partizipatorische Anknüpfungspunkte an Inhalte, die durch kulturelle Artefakte gestaltet worden sind.

Innerhalb der Rezeptionsästhetik der Bildenden Kunst sind „leerstellen“ z.B. in der Malerei nicht einfach nur piktoral als Auslassungen oder Lücken zu verstehen, sondern als bewusst eingesetzte Bildelemente, welche die Vorstellungskraft und Kombinationsleistung des Betrachters anstoßen sollen, um im aktiven Prozess der Addition von persönlichen Erfahrungen und Bezügen die fehlenden Bildinhalte individuell komplettieren zu können.

 

Auch in der Literatur ist die Funktion des bewussten Einsatzes von „leerstellen“ als Orte der Unbestimmtheit oder des Aneinanderstoßens verschiedener Textschichten bekannt, um dem Leser individuelle und aktive Teilnahmemöglichkeiten an der erzählten Geschichte zu eröffnen.

Durch „leerstellen“ wird also nicht nur die Vorstellungskraft des Lesers forciert, sondern auch der Auslegungs- und Interpretationsspielraum erweitert, um schließlich – wenn auch nur teilweise – einen eigenen und übergeordnetenSinn konstruieren zu können.

 

 

Marcus Kettel 2/2013

 

 

 

 

HIMMEL HÖLLE FEGEFEUER

Betty Böhm und Alke Brinkmann

 

Eröffnung am Freitag, den 18. Januar 2013 um 19 Uhr

Künstlergespräch am 01. Februar um 18.00 Uhr

 

19.01.2013 – 16.02.2013

Die erste Ausstellung 2013 in der Galerie Axel Obiger bewegt sich, wie der Ausstellungstitel "Himmel, Hölle Fegefeuer“ es verheißen mag, zwischen himmlischem Hoffen und höllischem Bangen in mehrerlei Hinsicht. Dabei nehmen die beiden ausstellenden Künstlerinnen Betty Böhm und Alke Brinkmann die vor allem aus dem christlichen Mittelalter bekannte pathetische Symbolik des Fegefeuers, als Schauplatz der Läuterung, mit verschiedenen Medien an unterschiedlichen Orten auf poetische und humorvolle Art und Weise neu unter die Lupe.


Betty Böhm studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und an der San Francisco State University Freie Grafik, Malerei, Bildhauerei, Film- und Videokunst.
Zentrale Themen ihrer künstlerischen Auseinandersetzung sind, wie sie es selbst beschreibt „die Ambivalenz der menschlichen Existenz, die all unseren Handlungen zugrunde liegende Gefühlswelt, das Unterbewusste, das sich in zwischenmenschlicher Interaktion niederschlägt sowie das tierische Verhalten im Menschen und vice versa“.


Alke Brinkmann studierte an der Hochschule der Künste Berlin Malerei. In der Anfangszeit untersuchte sie mit den Mitteln der Malerei vor allem persönliche und politische Themen, danach reduzierte sie nach und nach inhaltliche Aspekte und machte in ihren Stilleben und Landschaftsstudien die Malerei selbst zum Thema. Für Alke Brinkmann gibt es nicht die eine richtige Methode ein Bild zu malen. Der Prozess des Malens verbindet für sie das Unterbewusste mit dem Wahrgenommenen. Wie die Kunstwissenschaftlerin Anja Oswald schreibt, ist Alke Brinkmanns Anliegen kein Aufklärerisches, Didaktisches „... ihr Pinsel kratzt subtil an der Oberfläche einer vermeintlich heilen Welt und produziert feine Risse in der Wahrnehmung...“. Dabei eröffnet sie den Besuchern erweiterten Interpretations-Spielraum und sorgt auf faszinierende Weise für die Möglichkeit der Neubetrachtung bekannter Phänomene.


Auszug aus dem Pressetext © Marcus Kettel, Januar 2013